Meine digitale Reise, von Mondfahrern und Faxschnittstellen

Um meine digitale Reise nach meinem Schlaganfall antreten zu können, habe ich einige Newsletter abonniert. Unter anderem den von opta data. Im letzten Newsletter haben deren Marketingmitarbeiter die Historie der TI (Telematik Infrastruktur) aufgezählt.

Das sollte für Euphorie sorgen. Bewirkt hat es bei mir das Gegenteil. Im Beitrag ein paar Auszüge und hier findet ihr den ganzen Text:

2002: Startschuss zur Digitalisierung

Im Jahr 2002 startet das erste Projekt zur Digitalisierung des Gesundheitswesens: Die Einführung einer elektronischen Gesundheitskarte mitsamt Versichertenstammdatenmanagement wird geplant.

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2011: Einführung der elektronischen Gesundheitskarte

Die erste Generation der elektronischen Gesundheitskarte kommt auf den Markt. Die nächste Generation mitsamt Versichertenstammdatenmanagement folgt im Jahr 2017.

2021: Das Jahr der elektronischen Patientenakte

Eines der zentralen Elemente der Telematikinfrastruktur im Jahr 2021 ist die elektronische Patientenakte. Sie soll zum Dreh- und Angelpunkt der digitalen Gesundheitswelt werden und Patient:innen aktiv mit in ihre digitale Gesundheitsversorgung einbinden. Der TI-Anschluss für Krankenhäuser wird in diesem Jahr verpflichtend; Für Pflegeeinrichtungen, Hebammen und Physiotherapeut:innen startet die freiwillige Anbindung.

Newsletter opta data

Und jetzt geben die Marketingleute erst so richtig Gas für die nahe Zukunft.

2022: Die Weiterentwicklungen kommen

In der elektronischen Patientenakte (ePA) kann der Patient/die Patientin pro Dokument festlegen, wer auf Inhalte zugreifen und sie lesen darf. Weitere Dokumente (z. B. Impfausweis, Mutterpass, U-Heft für Kinder, Zahn-Bonusheft) können elektronisch in der ePA hinterlegt werden. Alles in allem heißt das vor allem: Mehr Wissen, mehr Komfort und mehr Service für Sie – und Ihre Patient:innen.

Newsletter opta data

Nun, für mich sind zwei Dinge bei dieser Aufzählung entscheidend. Diese stehen jedoch nicht direkt im Text. Zum einen, das E-Rezept fehlt vollkommen. Hier trauten sich die Mitarbeiter wohl nicht, es überhaupt anzugeben. War ja auch ein Desaster. Einzelheiten findet ihr hier:

Und zum anderen der Zeitraum. Habt ihr euch mal den Zeitstrahl angesehen? Wir reden hier über zwanzig Jahre. Nur noch mal zur Verdeutlichung: in zehn Jahren haben die Amerikaner 2 Menschen auf den Mond geschickt. Und das E-Rezept ist immer noch nicht da, die E-Patientenakte auch nur in einer rudimentären Form. Ich finde, die vergangene Zeit spricht da vollständig für sich. Das Projekt ein wenig Papier durch etwas digitales zu ersetzen, ist wohl größer als die Mondlandung?

Mein zweites Beispiel finde ich fast noch interessanter. Es betrifft die Techniker Krankenkasse. Was tut nun die Techniker Krankenkasse?

Digitalisierung made in Germany: Wer seine TK-Karte vergessen hat, kann sich via App eine Bescheinigung an die Arztpraxis faxen lassen.

https://www.golem.de/news/digitalisierung-techniker-krankenkasse-fuehrt-fax-funktion-in-app-ein-2202-163220.html

Man steht beim Arzt und hat seine Versichertenkarte vergessen. Jetzt kann man per App die Techniker Krankenkasse informieren, dass man die vergessen hat und um eine Bestätigung an den Arzt bitten, damit der Weg nicht umsonst war. Eigentlich ein guter und vor allem digitaler Service. Aber wie erreicht jetzt die Bestätigung den Arzt? Über ein Fax, welches die Krankenkasse an den Arzt schickt. Mir fehlen die Worte. In diesem Sinne wünsche ich euch weiter eine gute und wahrscheinlich eher analoge Woche.

Habt ihr schon Erfahrungen mit Medienbrüchen in digitalen Prozessen gemacht? Hinterlast mir gerne einen Kommentar.

Foto von Dan Cristian Pădureț von Pexels

Veröffentlicht von oschlenkert

männlich, 52 Jahre, verheiratet, 1 Kind, mitten im Leben ... und dann kam der Schlaganfall.

4 Kommentare zu „Meine digitale Reise, von Mondfahrern und Faxschnittstellen

  1. Verrückt der Zeitstrahl oder ?…
    Ich habe Ende der 90-er Jahre in einem großen, damals eher konservativem Unternehmen, die Elektronische Personalakte mit eingeführt. Über 20 Jahre her !
    Ein Kollege hat aktuell gesundheitlich zu kämpfen und rennt von Arzt zu Arzt. Eigentlich schon schlimm genug. Nun trägt zusätzlich noch die Papierstapel mit all den Untersuchungsberichten mit sich herum und spielt Postbote zwischen den Ärzten.

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