AI – „Hoffentlich besteht Gretchen schnell den Turing Test?“

Neulich war es wieder mal so weit. Ich brauchte von meiner Neurologin eine neue Verordnung für meine Ergotherapie. Nach meinem Schlaganfall ist beständige Therapie sehr wichtig für mich und hilft mir sehr.

Eigentlich keine große Sache. Lediglich ein Telefonat musste ich führen. Dachte ich, oder besser ich wusste bereits vorher, das wird nicht so einfach. Meine Neurologie ist nicht in Hannover ansässig, sondern praktiziert ca. 40 km entfernt in einer Gemeinschaftspraxis in der nächsten Großstadt. Ich schätze sie sehr, aber im Praxismanagement gibt es bestimmt noch einiges an Verbesserungspotential. Meine Versicherungskarte lag für dieses Quartal schon vor, also entfiel der mühsame Weg meiner Frau zur Praxis. Eigentlich eine weitere Vereinfachung des Vorgangs.

Ich kann momentan dank meines Arbeitgebers an zwei Tagen die Woche Homeoffice machen. An so einem Tag habe ich gleich frühmorgens in der Praxis angerufen. Früher war das noch einfacher. Die Praxis war bis letztes Jahr an ein Krankenhaus angebunden und man hatte für die Ausstellung von Verordnungen einen Anrufbeantworter vorgesehen. Dort konnte man sein Begehr aufsprechen und dann wurde Mann geholfen.

Nun, die Praxis ist vor ca. einem Jahr umgezogen und der Anrufbeantworter ist irgendwie dabei wohl verschütt gegangen. Momentan gibt es nur die Möglichkeit des direkten Telefonats. Am Ende meines Arbeitstages blickte ich auf mein Handy. Dort stand unter Anrufversuche die sagenhafte Zahl von 25.

Entweder war es besetzt oder es ging niemand ans Telefon. Und ja, ich bin IT Mann. Ich habe es vorher (schon mehrfach) anders versucht. Ihr werdet mir sicher zu einer E-Mail raten? Habe ich gemacht. Schön den Bericht meiner Ergotherapeutin eingescannt und angehängt. Einen aufmunternden positiven Text verfasst, den Betreff für den ersten Blick aussagekräftig formuliert und um eine kurze Bestätigung gebeten. Entweder der Mail oder Telefonisch. Bisher leider immer ohne Erfolg.

Jetzt habe ich die ideale Lösung für mein Problem gefunden. Und diese Lösung heißt nicht E-Rezept, wie ihr jetzt vielleicht denkt.

Ich habe die Lösung bei youtube gefunden. Ganz unverhofft. Hier findet ihr das Video und ich verspreche euch, es lohnt sich. Dort hat das Entwicklerteam von Google 2020 seine artificial intelligence Lösung präsentiert. Es geht also um künstliche Intelligenz. Und wie haben sie das gemacht? Sie haben ihrer künstlichen Intelligenz einem Turing Test unterzogen. Alan Turing hat die Frage, wann man überhaupt von Intelligenz sprechen kann, für sich folgenderweise beantwortet. In einer Zeit als es vielleicht 10 raumgroße „Rechner“ weltweit gab. Das nenne ich mal vorausschauend.

Im Zuge dieses Tests führt ein menschlicher Fragesteller, über eine Tastatur und einen Bildschirm, ohne Sicht- und Hörkontakt, eine Unterhaltung mit zwei ihm unbekannten Gesprächspartnern. Der eine Gesprächspartner ist ein Mensch, der andere eine Maschine. Kann der Fragesteller nach der intensiven Befragung nicht sagen, welcher von beiden die Maschine ist, hat die Maschine den Turing-Test bestanden und es wird der Maschine ein dem Menschen ebenbürtiges Denkvermögen unterstellt.

Wikipedia

Im Video wird der Anruf in einem Frisörsalon geschildert. Die KI macht einen Termin zum Haarschneiden aus und die Mitarbeiterin verhält sich genau wie bei einem Menschen. Kleines Detail am Rande. Vor allem das Hmmm der KI fand ich total cool. Eigentlich war ich solche Einfügungen bisher nur von menschlichen Gesprächspartnern gewohnt. Ich habe mir das englische Video angesehen, war begeistert und hatte schlagartig meine persönliche Anwendung im Kopf.

Ich denke bei meinem Anwendungsbeispiel an meine persönliche (Schlaganfall)Assistentin, ich nenne sie Gretchen (von Faust und so). In meinem Kopf stelle ich mir schon folgenden Dialog vor:

Mitarbeiterin Arztpraxis: Guten Tag, was kann ich für sie tun?

Gretchen: Ich möchte für Olaf ein Ergotherapierezept bestellen. 12 Termine wie immer. Den bisherigen Bericht hat er ihnen ja schon per Mail zukommen lassen.

Mitarbeiterin Arztpraxis: Und sein Geburtsdatum?

Gretchen: 02.04.xxxx (ihr merkt, ich bin ein wenig eitel)

Mitarbeiterin Arztpraxis: Und kommen sie zum Abholen vorbei?

Gretchen: Hmmm, ich denke eher nicht. Sie müssen wissen, Olaf wohnt in Hannover und kann noch nicht wieder selbst Autofahren.

Mitarbeiterin Arztpraxis: Okay, dann senden wir ihm das Rezept zu. Adresse haben wir ja im System.

Danke Google für diese tolle Demonstration. Legt euch ins Zeug, dass euer System bald serienreif und auch deutsch angelernt ist. Ich freue mich schon auf mein persönliches Gretchen.

Foto von Pixabay:

Veröffentlicht von oschlenkert

männlich, 52 Jahre, verheiratet, 1 Kind, mitten im Leben ... und dann kam der Schlaganfall.

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