Ich bin kein großer Konzertgänger. Vielleicht fünf Stück habe ich bisher in meinem Leben nur erlebt. Es war mir einfach nicht so wichtig.
Dick Brave kommt zur Landesgartenschau nach Bad Nenndorf sagte meine Frau zu mir. Da müssen wir unbedingt hin. Ich vermute ja, sie ist seitdem Konzert in Hamburg ein klein wenig verknallt in ihn.
Dick Brave & The Backbeats ist eine beliebte deutsche Rockabilly-Band rund um das kanadische Alter-Ego des Sängers Sasha. Bekannt für ihren coolen 50er-Jahre-Sound, covern sie berühmte Pop-Hits. Nach einer längeren Pause feierten sie mit dem neuen Album Back For Good und einer ausgedehnten Live-Tour ein großes Comeback.
Gesagt, getan. Seit meinem Schlaganfall aber nicht mehr ganz so einfach wie davor.
Wir sind mit dem Zug nach Bad Nenndorf gefahren. Danach sollte sich ein etwas fünfzehn Minütiger Fußmarsch auf das Gelände anschließen. Wir hatten Glück. Am Bahnhof stand gleich ein Bus und brachte uns aufs Gelände.
Also für mich doch ziemlich anstrengend. Würde ich jetzt noch zwei Stunden stehen können? Meine umsichtige Frau hat für solche Fälle extra einen Falthocker gekauft. Den haben wir mitgenommen.
Am Festivalgelände gab es dann eine gute Nachricht und eine schlechte für uns.
Die gute: Es gab einen großzügigen Extrabereich für uns Schwerbehinderte, vorallem Rollstuhl- und Rollatorfahrer mit ihren Begleitpersonen.
Die schlechte, aus versicherungstechnischen Gründen dürfe ich meinen Hocker nicht mit reinnehmen. Wir mussten ihn am Eingang zurücklassen.
Der Sicherheitsmann am Eingang des Sonderbereichs war sehr nett. Allerdings waren die wenigen freien Stühle alle schon besetzt.
Nun, erst mal Getränke holen. Auf dem Rückweg kam ich dann mit ihm noch einmal ins Gespräch. Wir wollen ja nicht, dass sie ihren Hocker vor Euphorie in die Menge werfen, sagte er zu mir. Um den Grund für das Verbot zu erklären.
Das leuchtete mir ein. Allerdings fragte ich mich, ob das nicht auch für die zwanzig Klappstühle gelten würde, die dort verteilt standen?
Vermutlich hatte er ähnliche Gedanken. Lassen sie mal ihre Frau ihren Hocker holen, sagte er zu mir. Meine Frau ging zum Eingang zurück und bekam sogar eine Begleitung für den Rückweg gestellt.
Das Konzert konnte beginnen und ca. 2000 Menschen, nicht behinderte und behinderte Menschen, haben zusammen zwei Stunden gefeiert und bei den Klängen der fünfziger Jahre viel Spaß gehabt.

Diesen unkomplizierten Geist und praktikablen Umgang mit Regeln zum Thema Inklusion würde ich mir überall in unserem Zusammenleben in Deutschland wünschen, dachte ich auf der Rückfahrt bei mir.
Vielen Dank an Dick Brave, die Backbeats, den Veranstalter und ganz besonders an die Mitarbeiter des Sicherheitsteams für diesen tollen Abend.