Smartwatches sind längst mehr als nur Fitness-Tracker, die deine Schritte zählen und dein Pulsen messen. Die modernen Wearables haben sich zu echten Gesundheitssensoren entwickelt – und einige Dinge, die sie können, sind überraschend clever.
Diese Erkenntnis hat bei mir länger gedauert. Vor meinem Schlaganfall bin ich mit einem Kollegen häufig joggen gewesen. Gemessen habe ich dabei nichts. Lediglich seine Uhr mit Brustgurt habe ich einmal ausprobiert. Damaliges Ergebnis: Für mich viel zu teuer.
Dann habe ich, immer noch vor dem Schlaganfall, über eine erste eigene Uhr nachgedacht. Eher ein günstiges Modell.
Ich bin Liebhaber von mechanischen Uhren. Die neue Smartwatch musste also richtig nach Uhr aussehen, rund mit Lünette und dem ganzen drum und dran. Die Verbindung zwischen Uhr und Handy war mir damals nicht so wichtig. Diese kamen von unterschiedlichen Herstellern und haben damit die möglichen Funktionen nicht hundertprozentig unterstützt.
Dann kam mein Schlaganfall. Sechs Wochen Rollstuhl, danach sechs Monate Reha. Und danach eine neue Smartwatch und neue Erkenntnisse, welche Vorteile mir diese bringt.
Hier lest ihr meinen alternativen Produkttest.
In erster Linie ging es mir damals um die eingebaute automatischen Sturzerkennung, die stark zur beruhigung meiner Frau beitrug.
Seit dem habe ich eigentlich immer eine Smartwatch am Handgelenk. Die mechanischen Uhren schauen mich ungenutzt aus der Vitrine an.
Welche Aussagekraft die von der Uhr erfassten Daten haben, ist mir aber erst so richtig bewusst geworden, als ich für mehrere Monate Probleme mit meiner Achillessehne bekam. Ein Bild der aufgezeichneten Daten sagt dazu mehr als tausend Worte.

Milionen von Menschen machen das genau wie ich. Könnte man diese Daten nicht anonym auswerten und Daten mehrerer Sensoren miteinander verknüpfen?
Genau das wurde ich dieser Studie gerade gemacht. Worum geht’s genau?
Eine Funktion, die oft übersehen wird, ist die Messung der Gehgeschwindigkeit im Alltag. Das klingt zunächst banal – wer interessiert sich dafür, wie schnell man zum Bäcker geht?
Aber hier wird es interessant: Gehgeschwindigkeit ist nicht einfach nur ein Fitness-Metric. Sie ist ein Indikator für die allgemeine Gesundheit und körperliche Funktionsfähigkeit. Sie hängt zusammen mit der Funktion des Gehirns, des Herzens, der Lungen, der Muskeln – und auch mit unserem Hör- und Sehvermögen.
Was mir fünf Jahre an Gesundheitsdaten alles über mich gezeigt haben
Die überraschende Verbindung: Hörverlust und Gehgeschwindigkeit
Das ist genau der Punkt, an dem eine aktuelle Studie der Universität Michigan ins Spiel kommt. Die Apple Hearing Study, eine Zusammenarbeit zwischen der University of Michigan und Apple mit über 160.000 Teilnehmern!!!, hat sich intensiv mit dieser Verbindung auseinandergesetzt.
Die Forscher analysierten Daten von 57.183 Personen, die sowohl Gehgeschwindigkeit (gemessen über iPhone- und Apple-Watch-Sensoren) als auch Hörtests absolviert hatten.
Das Ergebnis: Größere Hörverluste waren mit langsamerer Gehgeschwindigkeit verknüpft. Besonders deutlich war dieser Zusammenhang bei Erwachsenen über 60 Jahren.
Wenn man kurz darüber nachdenkt, das ist auch kein Zufall. Menschen mit Hörverlust nehmen weniger akustische Umweltinformationen auf – etwa das Geräusch von Fußschritten, Verkehr oder anderen Hinweisen auf die physische Umgebung. Dies beeinflusst die Balance, die Koordination und letztlich die Gehgeschwindigkeit.
Gehgeschwindigkeit ist nicht nur eine Mobilitätsmessung. Sie ist ein Marker für allgemeine Gesundheit. Menschen mit langsamerer Gehgeschwindigkeit haben ein höheres Risiko für Stürze, Verletzungen und andere Komplikationen.
Die Studie zeigt: Ein unerkannter Hörverlust kann subtil, aber nachweisbar auf die physische Mobilität wirken. Das ist eine Art stiller Domino-Effekt – erst das Hören, dann die Bewegung, dann die Gesamtgesundheit.
Was habe ich davon?
Wenn deine Smartwatch dir zeigt, dass deine durchschnittliche Gehgeschwindigkeit sinkt – ohne dass du dich anders bewegst als sonst – könnte das ein Hinweis sein, dass etwas mit deinem Hörvermögen nicht stimmt.
Das ist besonders wichtig für Menschen in der zweiten Lebenshälfte, bei denen Hörverlust oft schleichend kommt und lange unbemerkt bleibt.
Mein Fazit:
SmartWatches sind nicht nur für Sportler interessant. Sie sammeln Daten zum Beispiel über deine alltägliche Mobilität – und diese Daten können Fenster in deine Gesamtgesundheit öffnen. Und das gilt besonders für mich als Schwerbehinderter. Ich kann längere Trends in meinem Verhalten erkennen und mein aktuelles Niveau gegenüber dieser Trends oder Werten meiner Altersgruppe einfach bewerten. Im negativen Fall kann ich entsprechende Gegenmaßnahmen frühzeitig(er) ergreifen.
Die Uhr bleibt Ei mir am Handgelenk. Ohne fühle ich mich nackt. Mein Vater sagt immer, hast du ein Taschentuch und einen Kamm dabei? Und eine Smartwatch würde ich noch ergänzen.