Die Zukunft startet jetzt – über das Werden einer Patienten APP

2020 hatte ich meinen Schlaganfall. Damals war ich in der BDH Einrichtung in Hessisch Oldenburg für ein halbes Jahr. Durch den Lockdown und meinen IT-Job hatte ich viel Zeit und habe mir Gedanken zu einer digitalen Reha in fünf Jahren gemacht. Mein Beitrag wurde nach meiner Reha im BDH Magazin veröffentlicht.

Was soll ich sagen, mit einjähriger Verspätung ist es jetzt soweit. Gestern habe ich diese Information auf Facebook erhalten.

Die App für Patienten und Angehörige ist da, ich habe sie gleich aus dem App Store installiert.

Eines ist jetzt schon deutlich geworden: Der Lockdown hat die Digitalisierung extrem beschleunigt. Ich frage mich, wie wird wohl eine vergleichbare Reha in der Zukunft aussehen? Ich sitze hier im sonnigen Garten der Klinik und denke über die mögliche Zukunft in fünf Jahren nach: Gestern bin ich in Hessisch Oldendorf angekommen. Ich kenne mich in der Einrichtung noch nicht gut aus. Wo geht es noch einmal zum Speisesaal? Ich rufe das WLAN-basierte, lokale Navigationssystem auf meinem Smartphone auf und ermittle meinen Standort. Das Gerät lenkt mich durch verständliche Ansagen umgehend zum Speisesaal.

Na ja, die App ist noch etwas statisch. Erst mal wurden nur bestehende Übersichtpläne und Speisepläne eingearbeitet. Eine echte Navigation zum Beispiel eine interaktive Karte gibt es noch nicht, aber das kommt sicher im Laufe der Zeit. Anmerkung, die Einrichtung in HO ist schon ziemlich verwinkelt, da braucht es ein paar Tage sich zurecht zufinden.

Und auch das Essen kann man erst mal nur sehen und (noch) nicht in der App aktiv verändern. Damals wurde durch den Lockdown am Platz serviert. Bestimmt sind die inzwischen wieder zu Buffett zurückgekehrt.

Interessant wird es bei den Therapieterminen. Auch hier ist erstmal noch Baustelle, aber die Grundidee ist schon sichtbar. Im nächsten Schritt lässt sich wenigstens schon mal erkennen, wann und wo man zur Therapie muss und ob ein Therapeut sich krank gemeldet hat.

In einem zweiten Schritt könnte sich dann auch der Patient von der Therapie abmelden oder ganz verwegener Gedanke sogar Bereitschaft für Sondertherapieinheiten melden. So in Richtung reserviert mir das Laufband um 18:30 im MTT Raum.

Und ein Thema hatte ich damals überhaupt nicht auf der Pfanne. Elektronisches Feedback. Kann jetzt schon der Patient und der Angehörige über das System übermitteln.

Natürlich wäre nicht nur die Erfassung interessant, sondern auch die Darstellung der bisher erhaltenen Fragebögen. Das tut aber von den von mir besuchten Rehaeinrichtungen niemand.

Mein Fazit:

Ich denke, der BDH Hessisch Oldendorf ist mit seiner App auf dem richtigen Weg. Jetzt muss sie nur noch um weitere Funktionen wachsen. Mal sehen, vielleicht nehmen sie die ein oder andere meiner damaligen Ideen mit auf. Ich werde mir den Fortschritt in ein paar Monaten einmal ansehen. Weiter wäre interessant, ob auch die anderen BDH Einrichtungen diese App mit ihren lokalen Informationen nutzen können?

Digitalisierung der Neurologischen Reha im Jahr 2025, eine Utopie?

Vor vier Monaten hatte ich einen Schlaganfall. Mein Leben hat sich von einem Tag zum anderen vollständig geändert. Das rechte Bein und der rechte Arm sind stark betroffen. Ich sitze im Rollstuhl. Seit dieser Zeit bin ich in der Reha in Hessisch Oldendorf in der BDH-Klinik, in der ich mich sehr wohlfüh/e und an vielseitigen Therapien im angenehmen Zusammenspiel mit den Mitarbeitern teilnehme. Meine Genesung macht gute Fortschritte!

Digitalisierung im Zeitraffer

Eines ist jetzt schon deutlich geworden: Der Lockdown hat die Digitalisierung extrem beschleunigt. Ich frage mich, wie wird wohl eine vergleichbare Reha in der Zukunft aussehen? Ich sitze hier im sonnigen Garten der Klinik und denke über die mögliche Zukunft in fünf Jahren nach: Gestern bin ich in Hessisch Oldendorf angekommen. Ich kenne mich in der Einrichtung noch nicht gut aus. Wo geht es noch einmal zum Speisesaal? Ich rufe das WLAN-basierte, lokale Navigationssystem auf meinem Smartphone auf und ermittle meinen Standort. Das Gerät lenkt mich durch verständliche Ansagen umgehend zum Speisesaal. Die Einweisung durch die Mitarbeiter des Pflegedienstes war kurz und von der Informationsdichte sehr intensiv. Es sind bei mir noch viele Fragen offen. Auf dem neuen Kanal 98 im Klinikfernsehen laufen den ganzen Tag kurze Videos Über die Einrichtung und die angebotenen Therapien. Ich informiere mich Über die Physio- und Ergotherapie, insbesondere über das Armlabor und Über das sog. „Taubsche“ Training. Diese speziellen Schlaganfalltherapien waren mir bisher unbekannt. Warum soll ich zusätzlich ins Aufmerksamkeitstraining? Ich habe doch lediglich Probleme mit dem Arm und dem Bein. Auch hier erhalte ich durch das Video passende Antworten.

Digitale Visite

Ich habe noch viele Fragen an meinen Arzt. Mit der Beantwortung möchte ich nicht bis zur wöchentlichen Visite warten. Die wäre erst in vier Tagen. Ich stelle meine Fragen an das ärztliche Team per Mail und erhalte innerhalb von zwei Stunden eine Antwort auf dem gleichen Weg. Mein Blutdruck macht noch Probleme. Regelmäßige Blutdruckmessungen sind jetzt besonders wichtig. Die Werte werden von meiner Smartwatch automatisch in meine Dokumentationsakte übernommen und dienen als Beurteilungsbasis für die aktuelle Medikation.

Heute erhalte ich meinen ersten Therapieplan in digitaler Form direkt in die Kalenderfunktion meines Smartphones. Nur noch eine Handvoll Patienten ohne Smartphone erhält die Information noch in der bisher gewohnten Papierform. Der Tagesstart wird dabei für alle Beteiligten viel ruhiger, der Blick auch Über den heutigen Tag hinaus, wird damit möglich. Die Erinnerungsfunktion meines Kalenders in formiert mich, wann ich die vorangegangene Therapie spätestens verlassen muss, um die anstehende Therapie rechtzeitig zu erreichen. Auch Wegezeiten für weit auseinander liegende Therapieorte werden hier berücksichtigt.

Mehr Autonomie

Die Tage vergehen. Ich wünsche mir ein wenig Abwechselung in meinem Speiseplan. Ich rufe das entsprechende Menü auf meinem Telefon auf und wähle Joghurt als zusätzlichen Bestandteil des Abendbrots aus. Das tägliche Obst reduziere ich auf eine Portion pro Tag. Heute ist ein großer Tag.

Ich kann den Rollstuhl zum ersten Mal verlassen und laufe zukünftig am Stock. Jetzt müssen alle weiteren Therapien verändert und neu aufeinander abgestimmt werden. Mein Physiotherapeut nimmt ein kurzes Video auf und hinterlegt es zusätzlich in meiner Patientenakte.

Alle anderen mir zugeordneten Therapeuten werden automatisch hierüber informiert. Ich habe mit meinem Smartphone ebenfalls Zugriff auf diese wichtigen Informationen. Und auch meine Angehörigen zuhause können diesen wichtigen Moment am Tablet miterleben. In Hessisch Oldendorf habe ich während meines Aufenthalts viel erreicht.

Aber auch nach meiner Entlassung wird das Üben weitergehen. Ein ambulanter Physiotherapeut übernimmt diese Funktion. Auch er kann ebenfalls auf die Klinikdaten zugreifen und schon vor meiner Entlassung die weiteren notwendigen Maßnahmen gemeinsam mit mir planen. Für mich sind die neuen digitalen Angebote sehr wichtig, rücken sie doch meine Genesung noch mehr in den Mittelpunkt und binden mich allgemein besser ins Geschehen ein.

Damals noch Zukunft, heute (fast) Realität. Mein damaliger Artikel im BDH Magazin

Veröffentlicht von oschlenkert

männlich, 52 Jahre, verheiratet, 1 Kind, mitten im Leben ... und dann kam der Schlaganfall.

Hinterlasse einen Kommentar