Von einem der auszog… Von Gefühlschaos, Rittern, Windmühlen und Rosen

Thema Psyche: Die psychische Verfassung ist bei einer auftretenden Behinderung wie bei mir ganz besonders zu beachten. In der Zeit nach meinem Schlaganfall habe ich häufiger mit wechselnden Stimmungen zu kämpfen. Kunststück, war mein Schlaganfall doch das einschneidendste Erlebnis meines bisherigen Lebens. Ich gerate dann meist in eine melancholische Stimmung und vermisse Dinge und Tätigkeiten an mir, die so lange vorhanden waren und vermutlich nie wieder so richtig sein werden. Dazu gehört das schnelle, ausdauernde und unangestrengte Laufen und Joggen. Auslöser kann dabei eine totale Nebensächlichkeit sein.

In so einem Moment kam mir die Geschichte von Don Quijote in den Sinn. Der erste Teil wurde bereits 1605 veröffentlicht, ist jedoch immer noch aktuell. Ursprünglich hatte ich ihn als Einleitung eines Tages mit Rückschlägen geplant. Die Stimmung verging aber rasch wieder. Ich habe den Text trotzdem als halbfertigen Beitrag für spätere Anfälle aufgehoben.

Alonso Quijano, ein kleiner Landadeliger, lebt „irgendwo“ in der Mancha in Spanien. Er hat schon nahezu alle Ritterromane gelesen, deren Begebenheiten er ab einem bestimmten Moment für absolut wahr hält. Diese Lektüre hat ihn so weit der Realität entrückt, dass er eines Tages selbst ein „fahrender Ritter“ werden will, um sich todesmutig in Abenteuer und Gefahren zu stürzen, das Unrecht zu bekämpfen und ewigen Ruhm an seinen Namen zu heften.

Wikipedia

Unser Held hält sich für einen stolzen Ritter, dem vermeintlich das Schicksal ein kühnes Abenteuer nach dem nächsten zu bestreiten auferlegt. Er steigt auf sein klappriges Pferd Rosinante und kämpft unter anderem gegen Windmühlen. Treu an seiner Seite reitet der nur scheinbar naive Schildknappe Sancho Panza (auch: Sancho Pansa) und versucht, seinen Herrn vor schlimmerem Unheil zu bewahren.

Er putzt eine rostzerfressene Rüstung, die sich von seinen Ahnen noch erhalten hat, baut eine einfache Sturmhaube mit Pappe und Metall zum Helm um und zieht auf Abenteuer aus. Alles, was ihm begegnet, bringt er mit dem Rittertum in Zusammenhang, obwohl dieses schon seit Generationen erloschen ist. Eine einfache Schänke erscheint ihm als Kastell, die Prostituierten werden zu Burgfräulein und der Wirt zum Kastellan, von dem er den Ritterschlag erbittet – und erhält.

Von seinem Gehilfen begleitet, bricht Don Quijote zu seinem zweiten Ausritt auf. Hier ereignen sich jene Taten, für die der Roman berühmt ist. Don Quijote kämpft gegen Windmühlen, die ihm als Riesen erscheinen (der Ausdruck „gegen Windmühlen kämpfen“ geht auf diese Geschichte zurück), attackiert staubumwölkte Hammelherden, die für ihn mächtige Heere zu sein scheinen, jagt einem Barbier sein Rasierbecken ab, das für ihn den Helm des Mambrin darstellt, besteht einen „blutigen“ Kampf mit einigen Schläuchen roten Weines und dergleichen mehr. Häufig wird Don Quijote am Ende solcher Abenteuer von seinen Widersachern fürchterlich verprügelt oder kommt anders zu Schaden. Sancho Panza weist seinen Herrn stets auf die Diskrepanz zwischen dessen Einbildung und der Wirklichkeit hin. Für Don Quijote beruht sie jedoch auf der Täuschung durch mächtige, ihm feindlich gesinnte Zauberer. Diese haben, so glaubt er zum Beispiel, die Riesen in Windmühlen verzaubert. Don Quijote gibt sich auf Anregung seines Knappen den Beinamen „Der Ritter von der traurigen Gestalt“.

Soweit der Artikel auf Wikipedia. Die Geschichte hat sich im Laufe der Zeit von ihrer Grundstimmung für mich total verwandelt. Für mich ist Don Quijote keine traurige Gestalt. Mitnichten. Ist er doch immer wieder bereit, seinen Zielen im Leben konsequent gegen jedweder Widrigkeit und Rückschläge zu folgen? Und sieht er nicht immer das Gute und Edle in allen Dingen? Egal wie diese in Wirklichkeit auch aussehen mögen. Für mich ist das die Hauptaussage des Werkes. Ich denke, wir sollten uns ein Stückchen davon abschneiden und seine Haltung häufiger zum Vorbild nehmen.

Die Spanier haben den beiden menschlichen Antihelden Don Quijote und Sancho Panza in einer Bronzefigur in Madrid ein Denkmal gesetzt. Wundervoller Gedanke. Ich habe jetzt etwas Ähnliches getan.

Don Quijote sitzt nun in meinem Blumenbeet und bewacht edel und tapfer unsere Rosen. Auf das du lieber Freund noch vielen Gefahren trotzt und mutig und unbeirrt deinen Weg vorangehst.

Beitragsfoto von ArtHouse Studio von Pexels

Veröffentlicht von oschlenkert

männlich, 52 Jahre, verheiratet, 1 Kind, mitten im Leben ... und dann kam der Schlaganfall.

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