Meine Reise, ein neues unbekanntes Kapitel beginnt. Schwerbehindertenvertreter am Standort Hannover

Wann die Reise begonnen hat, kann ich euch genau sagen. Am 17.03.2020 mit meinem Schlaganfall. Da habe ich den Hauptweg verlassen. Ab da war ich schwerbehindert.

Am Anfang war der Weg sehr holprig. Aber ich habe viele tolle Betroffene, Angehörige, Ärzte und Therapeuten getroffen.

Ich war nicht allein. Meine Erkenntnis, ich bin nicht alleine. Viele Menschen reisen mit mir und bisher von mir vollständig unbemerkt.

Nach der halbjährlichen Reha ging es in die Wiedereingliederung und ein Jahr später zu einem neuen Arbeitgeber.

Am Montag war es so weit. Ich habe mich zum zweiten Mal in meinem Leben zur Wahl gestellt. Ich bin sprichwörtlich auf meinem Weg auf eine neue große Lichtung getreten.

Ich wurde zum Schwerbehindertenvertreter am Standort Hannover in meinem Konzern gewählt. Ich freue mich über das Vertrauen und nehme die zukünftige Aufgabe sehr ernst.

Was ist die Schwerbehindertenvertretung?

Die Schwerbehindertenvertretung (SBV) ist die gesetzliche Interessenvertretung für schwerbehinderte und gleichgestellte Beschäftigte in Betrieben und Dienststellen. Grundlage ist § 177 SGB IX. Voraussetzung ist, dass in der Regel mindestens fünf schwerbehinderte oder gleichgestellte Menschen dauerhaft im Betrieb beschäftigt sind. Das erreichen wir spielend.

Gewählt wird alle vier Jahre, geheim und unmittelbar, durch die Wahlberechtigten. Das reguläre Wahlintervall liegt jeweils zwischen dem 1. Oktober und dem 30. November.

Was gehört zu meinen neuen Aufgaben?

Die Kernaufgaben stehen in § 178 SGB IX:

  • Überwachen: Ich achte darauf, dass der Arbeitgeber Gesetze, Verordnungen, Tarifverträge und Inklusionsvereinbarungen einhält.
  • Beraten und unterstützen: Ich helfe Kolleginnen und Kollegen bei Anträgen auf Feststellung einer Schwerbehinderung oder Gleichstellung und bei Konflikten am Arbeitsplatz.
  • Mitwirken: Ich werde bei Einstellungen, Kündigungen und der barrierefreien Gestaltung von Arbeitsplätzen beteiligt und begleite das Betriebliche Eingliederungsmanagement (BEM).

Warum mir das wichtig ist

Viele Rechte und Nachteilsausgleiche kennen Betroffene gar nicht oder erfahren erst spät davon. Das ging mir bei meinem eigenen BEM Gespräch genauso.

Genau da möchte ich ansetzen: informieren, zuhören und Wege aufzeigen, bevor aus kleinen Problemen große werden.

Und jetzt?

In den nächsten Wochen verschaffe ich mir einen Überblick und komme mit den zahlreichen Kolleginnen und Kollegen und Gremien in unserem Konzern ins Gespräch. Dann geht meine Aufgabe richtig los. Ich freue mich sehr darauf.

Ich halte euch hier auf dem Laufenden, wie sich das neue Amt anfühlt und was ich dabei lerne.

Foto von triboch

Veröffentlicht von oschlenkert

männlich, 52 Jahre, verheiratet, 1 Kind, mitten im Leben ... und dann kam der Schlaganfall.

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