Als ich vor elf Monaten mein eBook „weitermitplanb“ zu der Zeit nach meinem Schlaganfall auf meinem Blog kostenlos veröffentlichte, wusste ich nicht, was ich erwarten sollte. Ein Buch über Schlaganfall-Rehabilitation, geschrieben von jemandem, der das selbst durchlebt hat – das ist Nischenliteratur. Die Frage war: Würde es überhaupt jemanden interessieren?
Die ersten Download-Zahlen kamen wenig später rein. 74 Downloads im ersten Monat. Dann 22, 17, 8 – das Interesse ließ nach, die Kurve, die ich erwartet hatte. Nach dem initialen Veröffentlichungs-Moment folgt der natürliche Rückgang. Das glaube ich ist normal. Das ist bei so einer kleinen Nische das Standard-Muster.
Aber dann passierte etwas Unerwartet: Die Zahlen flachten nicht einfach noch weiter ab. Sie stabilisierten sich.
Elf Monate später bin ich bei durchschnittlich etwa 23 Downloads pro Monat. Die erste Hälfte lag bei 26,5 Downloads/Monat, die zweite bei 20,5.
Beides ist stabil – nicht spektakulär für Mainstream-Standards, aber für ein hochspezialisiertes Buch über ein Nischen-Thema ist es positiv ungewohnt.
Mir gefällt das Schreiben. Bei der Genesung nach Schlaganfall kommt es sehr auf die eigene Geschwindigkeit an. Video ist mir zu hektisch, da bleibt mir wenig Zeit zum Überlegen.
Auch spreche ich etwas langsamer als vorher, das tut mir aber sehr gut.
Über die Hälfte der deutschen Selfpublisher verdient monatlich weniger als 50 Euro mit ihren Büchern. Das sind oft nur eine Handvoll Verkäufe. Es gibt Ausnahmefälle – Autoren mit 40.000 Downloads pro Monat – aber diese sind genau das: Ausnahmen. Einnahmen waren auch gar nicht das Ziel meines Buches.
Das Entscheidende ist: Mein Buch hat seine spezifische Zielgruppe gefunden. Nicht „jeder“, sondern Menschen in einer bestimmten Situation. Menschen, die gerade oder vor kurzem einen Schlaganfall hatten und jetzt neugierig sind, wie andere Betroffene vor ihnen damit umgehen. Oder nicht zu vergessen, deren Angehörige.
Die Tipps und Erkenntnisse aus den ersten zwei Jahren nach meinem Schlaganfall hätte ich auch auf zehn Seiten kurz zusammenfassen können. Ich habe mich aber gezielt dagegen entschieden. Ich wollte bewusst das auf und ab und auch die Rückschläge darstellen. In erster Linie ist es ein Motivationsbuch. Mein Auftritt in Berlin beim bildet dann das Finale. Konnte ich dort in einem Vortrag vor Fachleuten und der deutschen Rentenversicherung meine Sicht der Rehabilitation darstellen. Wer kann das schon?
Der größte Fehler beim Publizieren ist, sich von den Großzahlen bekannter Autoren einschüchtern zu lassen. Als würde ein Buch nur zählen, wenn es Millionen Leser erreicht.
Und 277 Downloads in elf Monaten? Das sind 277 Menschen, die das Buch gebraucht haben. Vielleicht haben sich manche darin wiedererkannt. Vielleicht hat das Buch einem von ihnen geholfen, an einem besonders schwierigen Tag weiterzumachen?
Das ist deutlich besser als am Anfang gedacht.
Falls du mein kostenloses Buch heruntergeladen hast, danke dass du dir die Zeit genommen hast und das Buch gelesen hast. Schreib mir gerne kurz, wie du es gefunden hast.
Und falls du es jemandem empfehlen möchtest: Das freut mich sehr. Schön wenn es weiteren Betroffenen Mut und Inspiration geben kann.
Die beste Marketingstrategie ist immer noch die Mundpropaganda von Menschen, die wissen, wovon sie sprechen.
Zukünftig werde ich hier einmal im Monat die Downloadzahlen veröffentlichen.
Nach dem Schlaganfall ist ein möglichst offener Umgang mit dem Thema wichtig, nicht nur für sich selbst, sondern auch und vor allem für andere, die von diesen Erfahrungen profitieren können. LG Heiko aus Bonn
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