Gestern war ich auf der OTworld in Leibzig.
Seit 50 Jahren ist die OTWorld die führende Plattform für Hersteller, Händler und Dienstleister in der modernen Hilfsmittelversorgung, die an der Schnittstelle zwischen Mensch und Technik agiert.
Welches Hilfsmittel kann mir helfen, möglichst viel meiner Behinderung zu überwinden. Für diese Frage ist die Messe total geeignet.
In drei Hallen konnte ich auf einen Blick den aktuellen Stand der Hilfsmittelversorgung erleben.
Die Stiftung deutsche Schlaganfallhilfe hatte sich etwas besonderes überlegt. Sie möchte Physiotherapeuten näher an die Hilfsmittelversorgung bringen. Sie sind ja im praktischen Alltag die erste Anlaufstelle für uns Betroffene. Warum sollten sie uns nicht auch über geeignete Hilfsmittel informieren?

Die Stiftung hatte einen einstündigen Messerundgang mit Headset für jeden Teilnehmer organisiert. Man kam bei allen wichtigen Entwicklungen vorbei und erhielt eine kurze Erläuterung über die angebotenen Produkte. Alles mit Fokus zu unserer Krankheit Schlaganfall.
Sehr Praktisch.
Auf dem Stand von Ottobock haben wir mein elektrisches Fußhebersystem bewundern. Eine ebenfalls Betroffene hat es uns vorgestellt.
Orthese, Rollstühle und sensomotorische Einlagen, für jede Phase nach dem Schlaganfall genau das richtige Hilfsmittel.
Beim Rundgang habe ich auch meinen ersten Roboter auf einer Messe gesehen. Der konnte zwar noch wenig, ich erwarte aber viel von den neuen Kollegen.

Weiter ging es zu Powered Orthotics. Das ist ein kleines Startup, welches mich zur Messe eingeladen hatte.
Am Stand wurde ich sehr herzlich von Wilfride begrüßt. Oh Englischkenntnisse, wo seit ihr hin?
MotionMate ist eine robotische Handorthese, die für Menschen mit Lähmungen oder Schwächen der oberen Extremitäten entwickelt wurde. Sie unterstützt Greif- und Loslassbewegungen und hilft dabei, Komfort, Funktionalität und Selbstvertrauen im Alltag wiederherzustellen. MotionMate bietet mehr als nur Unterstützung – es steht für Selbstbestimmung und ermöglicht Nutzerinnen und Nutzern, einfache, aber wirkungsvolle Handlungen wie das Öffnen einer Flasche oder eines Glases oder das Auftragen von Zahnpasta zurückzugewinnen und alltägliche Momente in Schritte hin zu mehr Unabhängigkeit zu verwandeln.
Die Orthese hätte ich nach meinem Schlaganfall gut gebrauchen können. In der Zeit konnte ich meine Hand weder alleine öffnen noch schließen.


Powered Orthotics entstand aus einer Doktorarbeit an der Universität Heidelberg, bei der frühe Prototypen einer handunterstützenden Technologie gemeinsam mit Ärztinnen und Ärzten sowie mit Menschen mit Beeinträchtigungen der oberen Extremitäten getestet wurden. Viel Erfolg bei eurem weiteren Weg in der Schlaganfallrehabilitation.
Danach noch etwas alleine über die Messe. Zum Stand einer jungen Frau.
Was machen sie hier denn so, meine Frage?
Ganganalyse, ihre Antwort.
Was ist daran so besonders? Wir machen das ohne Laufband, nur mit einer App. Einfach vier bis fünf Schritte laufen und zurück.
Können wir das ausprobieren, meine Frage. Ihr müsst wissen, Messen sind der Alptraum für Softwareentwickler. Das weiß ich aus eigener leidvoller Erfahrung.
Das WLAN ist immer schlecht, es gibt viel zu viele davon. Sie stören sich stark gegenseitig.
Die junge Frau war sehr mutig. Hier das Ergebnis meiner Onlineanalyse. Kompliment.
Mein absolutes Messehighlight war aber dieser Rollstuhl. Ihr müsst wissen, ich habe ein kleines Häuschen auf zwei Ebenen. Der Rollstuhl müsste hier die Richtung wechseln und auf kleinster Fläche drehen.

Bis jetzt bin ich davon ausgegangen, dort irgendwann ausziehen zu müssen. Einfach weil ich es nicht mehr auf die zweite Ebene schaffe.
Gestern habe ich dann eine Alternative gesehen. Der Mitarbeiter demonstrierte, wie der Rollstuhl die Treppe hinab und wieder hinauf stieg. In meinem Kopf ratterte es sofort. Das könnte die entscheidende Alternative sein. Und der Rollstuhl soll sogar eine Hilfsmittelnummer erhalten.
Kaputt und Fußlahm wollte ich dann die Messe verlassen und mit der Bahn wieder nach Hannover zurückfahren. Zum Schluss traf ich wilfride unverhofft noch einmal in der Lobby.
Wo warst du noch, fragte sie mich.
Bei Ottobock. Noch einmal bedanken für das Fußhebersystem.
Das ist gut sagte sie zu mir. Die Ingenieure brauchen ein Feedback von den Anwendern.
Wenn die Menschen, die ich auf der Messe kennengelernt habe, diese kreativen Köpfe hinter den Produkten sind, ist mir um die Hilfsmittelversorgung für unsere Zukunft nicht bange.