So ganz glücklich bin ich mit der Antwort nicht – meine Fragen an Frau Warken

Stellt euch vor, ich habe Antwort von Frau Warken erhalten. Natürlich nicht von ihr, sondern vom Team, welches diese Aufgabe im Ministerium übernimmt. So ganz glücklich bin ich mit der Antwort aber nicht.

Worum geht es?

Mir war aufgefallen, dass sich die Verwaltungskosten von Krankenkassen nicht bei allen Kassen gleich verhalten.

Bei den meisten steigen sie wie befürchtet. Bei einigen sinken sie jedoch gegen den Trend. Machen diese Kassen etwas anders als die anderen?

Warum sinken bei einigen Krankenkassen die Verwaltungskosten, während sie bei den meisten steigen? Machen die etwas besser als die Mehrheit der Kassen? Das ist eine der Fragen, die uns interessieren sollte. Schauen Sie sich die Tabelle an: BKK firmus senkt ihre Kosten schon von niedrigem Niveau um 15,17 %, AOK Bremen um 31,27 %. Und dann: BKK Freudenberg um 66,89 % gestiegen, die KKH um 34,63 %. Das ist ein Unterschied wie Nacht und Tag. Aber hier liegt nicht Unfähigkeit vor – sondern die Essenz dessen, wie eine Krankenkasse arbeitet.

Was soll ich sagen, ich habe eine umfangreiche Antwort erhalten. Ich finde es erfreulich, überhaupt gehört worden zu sein. Allerdings hat mich das Conclusio der Antwort nicht wirklich glücklich gemacht.

Sehr geehrter Herr Schlenkert,

 

im Namen von Bundesministerin Nina Warken danken wir Ihnen für Ihre Nachricht vom 24. April 2026 und Ihr Interesse an den Strukturen der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV), insbesondere die unterschiedliche Entwicklung der Verwaltungskosten der Krankenkassen. Es ist erfreulich zu hören, dass Sie nach Ihrer Rehabilitation wieder erfolgreich in Ihren Beruf zurückkehren konnten und sich nun selbst mit Analysen in die gesundheitspolitischen Debatten einbringen.

 

Richtig ist, dass sich empirisch kein verlässlicher Zusammenhang zwischen Kassengröße und Verwaltungskosten je Versicherten zeigt: So versorgen die 20 mitgliederstärksten Krankenkassen rund 84,7 Prozent aller Mitglieder und verursachen damit 84,9 Prozent der GKV-Verwaltungsausgaben. Umgekehrt versorgen die 40 kleinsten Krankenkassen nur 1,7 Prozent aller Mitglieder und verursachen damit 1,7 Prozent der GKV-Verwaltungsausgaben. Dies zeigt, dass Verwaltungskosten – unabhängig von der Zahl der Krankenkassen – dort entstehen, wo die Versicherten zu versorgen, betreuen und verwalten sind.

 

Die von Ihnen angesprochene Digitalisierung, insbesondere die Nutzung von KI, kann sicherlich ein Erklärungsansatz für die unterschiedliche Entwicklung der Verwaltungskosten im Zeitverlauf sein. Dass die Kostenstrukturen zwischen den einzelnen Krankenkassen so stark divergieren, lässt sich allerdings nicht allein auf die Unterschiede bei der Nutzung von KI oder bei der betrieblichen Effizienz der Krankenkassen zurückführen. Oft liegen diesen Entwicklungen weitere Ursachen zugrunde, welche wir Ihnen nachfolgend gerne exemplarisch erläutern:

 

1. Einmaleffekte: IT-Modernisierung und Fusionen

Hinter einem starken Anstieg der Verwaltungskosten stecken häufig notwendige Investitionsschübe. Besonders in Ihrem Fachbereich, der IT, führen Systemumstellungen oder die Einführung neuer Softwaretechniken kurzfristig zu hohen Ausgaben. Diese Modernisierungskosten zahlen sich dann meist erst über Jahre hinweg durch effizientere Prozesse aus.

 

Ebenso können Fusionen die Statistik vorübergehend verzerren, da die Zusammenführung zweier Verwaltungsköper zunächst hohe Integrationskosten (z. B. Abfindungen, Gebäudeanpassungen) verursachen, bevor Synergieeffekte greifen und die Kosten langfristig senken.

 

2. Skaleneffekte durch Mitgliederentwicklung

Die Verwaltungsausgaben werden in der Regel pro Versicherten ausgewiesen. Wenn eine Krankenkasse in kurzer Zeit überdurchschnittlich viele neue Mitglieder gewinnt, verteilen sich die Fixkosten der Verwaltung (Gebäude, Personal, IT) auf mehr Köpfe. Die Kosten pro Kopf sinken, ohne dass die internen Abläufe zwingend geändert werden müssen. Umgekehrt führt ein Mitgliederschwund bei gleichbleibendem Verwaltungsapparat zwangsläufig zu rechnerisch steigenden Kosten je Versicherten. 

 

3. Bilanzielle Faktoren: Alterungsrückstellungen

Ein oft unterschätzter Faktor sind die Rückstellungen für die betriebliche Altersvorsorge. Viele Krankenkassen leisten Zusagen für Betriebsrenten, Pensionsverpflichtungen oder sonstige Versorgungsleistungen. Diese Posten unterliegen versicherungsmathematischen Schwankungen. Ändern sich beispielsweise die rechtlichen Bewertungsvorgaben oder die Zinssätze für diese Rückstellungen, müssen Krankenkassen in einem einzigen Geschäftsjahr enorme Summen nachreservieren. Dies schlägt sich unmittelbar in den Verwaltungskosten nieder, spiegelt aber nicht die aktuelle operative Effizienz der Krankenkasse wider.

 

Zusammenfassend lässt sich daher sagen, dass Ihre These zur Digitalisierung und schlanken Strukturen zwar einen wichtigen Kern trifft, die Zahlen in den Geschäftsberichten jedoch immer vor dem Hintergrund dieser Sondereffekte gelesen werden müssen. Eine „teure“ Krankenkasse kann sich somit in einer Phase der strategischen Neuausrichtung befinden, während eine „günstige“ Krankenkasse eventuell von einer derzeit stabilen Versichertenstruktur und bereits abgeschlossenen Investitionszyklen profitiert.

 

Wir hoffen, dass diese Informationen hilfreich für Ihre weitere Arbeit sind und wünschen Ihnen für Ihre weitere Genesung sowie Ihre berufliche Tätigkeit alles Gute.

 

Mit freundlichen Grüßen

Im Auftrag

 

Ihr Bürgerservice

Generell gibt der Bürgerservice mir also recht, sagt aber, dass ich einmalige Effekte nicht genügend berücksichtigt habe. Nun, das hätte man ja leicht ändern können. Dem Ministerium liegen ja auch die Statistiken der Vorjahre vor. Ihre These hätten sie leicht überprüfen oder widerlegen können.

Meine Antwort hätte ein wenig anders ausgesehen.

Sehr geehrter Herr Schlenkert,

Ein interessanter Gedanke den wir aufgreifen werden. In dieser Betrachtung werden wir jedoch auch noch folgende Effekte berücksichtigen…

Ihr seht den kleinen aber entscheidenden Unterschied. Auf der einen Seite wir machen uns auf den Weg zu wir lassen es wie es ist und erklären die entstandene Situation. Scheinbar ist das Defizit für Aktivität einfach noch nicht hoch genug. Was meint ihr dazu? Habt ihr schon einmal über einen Krankenkassenwechsel nachgedacht? Ich schon, das Thema ist aber einen eigenen Beitrag wert.

Foto von Vika Glitter

Veröffentlicht von oschlenkert

männlich, 52 Jahre, verheiratet, 1 Kind, mitten im Leben ... und dann kam der Schlaganfall.

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