Ich gestalte meinen Schlaganfallblog ganz alleine. Ich kann mich daher nicht vor der Veröffentlichung mit anderen über meine Beiträge austauschen. Aber fiktive Dialoge kann ich mir im Vorhinein überlegen und diese mit ein wenig Hilfe in einem bei vielen bekannten Stil gestalten.
Ephraim Kishon (hebräisch אפרים קישון, geboren als Ferenc Hoffmann am 23. August1924 in Budapest, Ungarn; gestorben am 29. Januar2005 in Meistersrüte, Appenzell Innerrhoden, Schweiz) war ein israelischerJournalist, Schriftsteller und Film- und Theaterregisseurungarischer Herkunft. Sein Schwerpunkt lag in der humoristischen Darstellung des israelischen Alltags und seines Familienlebens. Er schrieb zumeist Kurzgeschichten, aber auch Theaterstücke und Drehbücher. Kishon gilt als einer der erfolgreichsten Satiriker des 20. Jahrhunderts im deutschsprachigen Raum.
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Büro des ältlichen Verlegers. Beide Männer im Raum haben entschieden ein paar Pfunde Zuviel. Die Downloadstatistik hängt an der Wand. Olaf sitzt dem Verleger gegenüber, der gerade mit Rotstift Notizen macht.
Verleger (schaut auf die Grafik): Am 20.07.25 haben wir ihr Buch über ihr zweites Leben nach dem Schlaganfall veröffentlicht. 241 Downloads bisher. Sie haben das Ziel bis zu ihrem Geburtstag 200 Exemplare zu verbreiten, übertroffen. Herzlichen Glückwunsch übrigens noch. Aber jetzt müssen wir handeln, während die Aufmerksamkeit noch warm ist.
Olaf: Im April waren es 5 Downloads. Das ist nicht wirklich warm.
Verleger: (schiebt ein Papier über den Tisch) Zwei neue eBooks, das wäre etwas.
Olaf: Lieber Verleger, mein Buch kostet nichts. Es kann einfach auf meinem Blog herunter geladen werden. Ich hoffe, dass es vielen Betroffenen hilft? Damit sie weniger Zeit als ich verlieren.
Verleger (nickt) Ja, deshalb ist es perfekt. Mehr kostenlose Inhalte = mehr Reichweite. Niemand braucht wegen des Preises lange zu überlegen.
Das ist die Zukunft des Publizierens.
Olaf: Sie wollen, dass ich kostenlos mehr Bücher schreibe?
Verleger: Genau! Ein Autor mit mehreren Werken ist eine Marke. Hemingway war nicht einfach Autor – Hemingway war ein Universum.
Olaf: Hemingway hat Geld bekommen.
Verleger (ignoriert das) Sie schreiben über ihren Schlaganfall. Über die downs und Ups. Über die fast unbekannten Dinge, die ihnen sehr geholfen haben.
Aber wissen Sie, was noch interessanter ist? Was folgt auf die Genesung. Die Welt hat sich weiter entwickelt. Es gibt die digitale Patientenakte, digitale Hilfsmittel. Darüber ließe sich schreiben. Das komplette Ökosystem – alles kostenlos, alles zu Ihrer Marke führend.
Olaf: Und wer zahlt mich dafür?
Verleger: Die Zukunft zahlt in Aufmerksamkeit. Und Aufmerksamkeit ist das neue Geld.
Olaf: Ich kann Aufmerksamkeit nicht in Supermärkte mitnehmen. (pausiert) Mein Buch kostet nichts – es hat mich Zeit gekostet, nicht Geld. Es hat Ihnen als EBook keine Produktionskosten gekostet.
Und jetzt wollen Sie, dass ich mehr solcher Bücher schreibe, damit Sie eines Tages vielleicht einen Sponsor finden?
Verleger (lehnt sich zurück) Sie sind hartnäckig.
Olaf: Ich bin ein Schlaganfall-Überlebender. Hartnäckigkeit ist meine stärkste Therapie.
Verleger (nickt) In Ordnung. Aber denken Sie dran: Die 241 Downloads sind Proof of Concept. Das Buch funktioniert. Die richtige Frage ist nicht, ob Sie Geld bekommen. Die richtige Frage ist: Wollen Sie diese Reichweite ausbauen oder nicht?
Olaf (schaut auf die Grafik): Wenn ich es ausbaue – kriege ich wenigstens langfristig Geld?
Verleger: Langfristig, zögern vielleicht. Kurzfristig, nein.
Olaf: (seufzt) Das ist nicht fair.
Verleger: Das ist digital. Fair ist ein Konzept aus der Papier-Ära. (lehnt sich vor). Ich liste ies prominent auf der Website. Ich mache eine kleine Kampagne auf Social Media. Kostet mich wenig, bringt Ihnen Exposure.
Olaf: Und ich kriege… überhaupt nichts.
Verleger: Sie kriegen die Hoffnung auf die Zukunft.
Olaf (schaut auf die Grafik) Die Grafik zeigt, dass die Zukunft volatil ist. Im Oktober waren es 8 Downloads.
Verleger: Der Oktober war ein Fehler. Im Dezember, Februar und März waren Sie stark. Das zeigt: Wenn Sie aktiv sind, funktioniert es.
Olaf: Wenn ich aktiv bin – auf meinem Blog. Nicht durch zusätzliche kostenlose Bücher.
Verleger (nickt langsam) Das ist… auch fair. (pausiert) Also: Sie schreiben weiter auf Ihrem Blog. Und Sie denken darüber nach, ob Sie noch ein zusätzliches Projekt machen wollen.
Olaf (nach einer Pause) Das ist das erste Mal, dass Sie etwas Vernünftiges sagen.
Verleger: Das ist nicht das erste Mal. Aber es ist das erste Mal, dass Sie zuhören. (steht auf) Denken Sie drüber nach. Sie sind kein klassischer Autor – Sie sind ein Denker, der schreibt. Das ist wertvoll. Aber wertvoll muss sichtbar sein.
Olaf schaut noch einmal auf die Grafik. 241 Downloads. Die Achterbahn des Anfangs.
Olaf: Okay. Ich überlege mir das.
Verleger (lächelt) Das ist alles, was ich hören wollte.
Der Verleger schaut auf die Grafik. Irgendwo in der Zukunft: eine Möglichkeit, dass es mehr werden. Vielleicht. Wenn der Autor nicht vorher aufgibt.