Mein Aufbruch ins digitale Zeitalter, von Browsern, Ärger, Impfkampagnen und dem digitalen Schlaraffenland

Heute soll es um die Bedienung von Software gehen. Ich bin mir sicher, dass sie unser aller Leben dauerhaft verbessert, wenn sie nur gut gemacht ist. Dass ich dies empfinde, ist kein Wunder. Bin ich doch seit inzwischen 30 Jahren in diesem Bereich tätig. Dabei fühle ich mich als langjähriger Produktmanager permanent zwischen Baum und Borke. Ich bilde mir ein, ich kenne den typischen IT-Anwender ganz gut und ich kenne natürlich die technische Ausrichtung der Branche und meiner Kollegen.

Häufig passt das nicht zusammen bzw. ist es meine Aufgabe, beide Seiten zu versöhnen. Manchmal scheitere ich jedoch selber an der Bedienung mir unbekannter Software. So zum Beispiel beim niedersächsischen Impfportal. Als ich meine Zweitimpfung erhalten habe, gab es noch keine Impfbescheinigungen im Impfzentrum. Ich wähnte mich schon hinter der Ziellinie beim Thema Impfung, blieb da nicht das offene Thema Impfbescheinigung. Ich möchte ja in absehbarer Zeit einmal wieder in ein Restaurant gehen und dann stolz mein digitales Impfzertifikat vorzeigen können.

Jetzt wurde ich gewahr, dass es einen neuen Punkt im niedersächsischen Impfportal gibt. Dort kann man sich die ersehnte Bescheinigung nach Eingaben einiger Informationen und der Impftermine und Chargennummern selber herunterladen. Gesagt, getan. Ich verwende den Firefox Browser. Einfach, weil dieser hoffentlich nicht ganz so eine Datenkrake wie die anderen Browser ist. Eingaben erledigt, Hinweis der Software: „Sie finden das PDF im Downloadverzeichnis ihres Endgerätes“. Nur, da war nichts. Vielleicht habe ich etwas falsch gemacht? Vorgang wiederholt. Wieder nichts.

Für meinen 83-jährigen Vater wäre jetzt spätestens Schluss gewesen. Genau so für viele Menschen, die nur einen Browser auf dem Rechner haben. Noch einmal mit meinem Iphone. Wieder kein PDF. Vielleicht findet sich hier jemand, der mir erklärt, wie ich das mit Safari bewerkstelligen hätte können?

Dritter Versuch mit dem Edge Browser von Microsoft. Diesmal hat es geklappt. Das Einlesen der beiden Bescheinigungen in CovPass war dann ein Klacks. Ein Ausdruck ist gar nicht notwendig, einfach vom Bildschirm abfotografieren. Dauer des Gesamtvorgangs bei „Ich erstelle dann mal eben die Impfbescheinigungen“: geschlagene 45 Minuten habe ich gebraucht. Meine Empfehlung an die Anwender in einem solchen Fall: frag eine Suchmaschine. Und siehe da, bei Google findet sich im Hamburger Impfportal ein Hinweis, dass die Funktion der Impfbescheinigung mit Firefox nicht geht.

Hätte man das nicht vorher klar auf einer Eingangsseite darstellen können oder besser noch, in der Programmierung automatisch berücksichtigen können? Mit einer klaren Meldung an die Anwender, die Firefox verwenden? So würde man verhindern, dass tausende in die Apotheken rennen und diese Tätigkeit dort für teuer Geld (der Allgemeinheit) erledigen lassen. Mein Plädoyer an alle Softwareentwickler: Man muss den Menschen doch überhaupt die Möglichkeit lassen, mit den segensreichen Errungenschaften des digitalen Zeitalters klarzukommen.

Und wo wir schon einmal dabei sind, was soll die Eingabe und Bestätigung der Mobiltelefonnummer? Wenn sich jemand für mich ausgeben möchte, gibt es dort einfach seine Nummer ein. Ich habe mich bei meiner Frau erkundigt, meine Telefonnummer war beim Reservieren der Termine nicht bekannt. Sie hat diese nirgendwo hinterlegt. Es kann somit eigentlich keinen Abgleich mit vorherigen Eingaben geben.

So genug der Kritik. Was habe ich wieder mal daraus gelernt? Gut gemeint ist nicht gut gemacht und bei zukünftigen Entwicklungen werde ich mir diese Episode immer mal wieder vergegenwärtigen.

Für den Rest der Impfkampagne bekommt ihr von mir die volle Punktzahl. Das war vorbildlich und sollte als Vorbild für weitere öffentliche Projekte Verwendung finden.

Habt ihr Erlebnisse beim Impfen oder mit der Heimtücke von Softwareprodukten, hinter- lasst mir einfach einen Kommentar. Wir ärgern uns dann gemeinsam.

Veröffentlicht von oschlenkert

männlich, 52 Jahre, verheiratet, 1 Kind, mitten im Leben ... und dann kam der Schlaganfall.

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