Väterlicher Freund – Begegnungen nach dem Schlaganfall

In der von mir abonnierten Facebookgruppe „Schlaganfall kennt kein Alter“ habe ich von Alexander gelesen. Er war Uniprofessor. Nach seinem Schlaganfall hat sich seine Frau von ihm getrennt. Aus seiner Sicht, weil sie ihm Simulation unterstellt hat. Nun, hier müsste man beide Seiten hören. Aber es stimmt schon. Ein Schlaganfall, eine auftretende Behinderung hat starke Auswirkung auf den Freundes- und Bekanntenkreis. Das habe ich ebenfalls erlebt. Meine Frau und Tochter halten uneingeschränkt zu mir. Für mich ist das ein Glücksfall.

Am schmerzlichsten vermisse ich aber das wöchentliche Laufen mit meinem Arbeitskollegen. Vor meinem Schlaganfall sind wir ein bis zweimal die Woche um den Maschsee gejoggt. Nach dem Schlaganfall hatten wir noch ein wenig Kontakt, dann brach auch dieser ab. Das könnte natürlich auch an Corona und dem Lockdown liegen? Wir arbeiten jetzt ja alle im Homeoffice. Fest steht, mir fehlt das joggen und die Gespräche mit ihm.

Aber es gab nach dem Schlaganfall auch neue oder besser aufgefrischte Begegnungen. Ich habe Kontakt mit einem älteren Herrn. Er war für kurze Zeit vor 6 Jahren mein Chef. Ich war nicht lange in der Firma und so verlierten wir uns schnell aus dem Blick. Einige Zeit später ist er in Rente gegangen. Als ehemaliger Geschäftsführer gab es dazu ein Informationsschreiben. Das habe ich ebenfalls erhalten, mit ein paar persönlichen Worten von ihm. Das war für mich das Signal, wieder Kontakt zu suchen.

Mein Schlaganfall hat diese Beziehung intensiviert. Als It-ler schreiben wir uns Mails. Wir unterhalten uns über Gott, die Welt, unsere Pläne und den Garten. Das dürft ihr gerne wörtlich nehmen. Ich schätze sehr, seine ruhige und bedachte Art.

Das Aussuchen des Fotos für diesen Beitrag hat diesmal länger gedauert. Letztendlich bin ich mit dem Ergebnis nicht zufrieden. Auf Pexels konnte ich diesmal nichts Geeignetes finden. Ich hätte mir ein Bild von einem älteren und einem mittelalten Herren gewünscht. Beide sind einander zugewandt. Auf den Lippen des mittelalten Mannes ist ein leichtes, zufriedenes Lächeln zu sehen.

Wie sind eure Erfahrungen mit der Entwicklung eurer Begegnungen nach einer Behinderung? Hinterlasst mir gerne einen Kommentar.

Veröffentlicht von oschlenkert

männlich, 52 Jahre, verheiratet, 1 Kind, mitten im Leben ... und dann kam der Schlaganfall.

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