Lesen und Gehirngesundheit: Von orangen Bücherbussen und Neuroplastizität

Der Orange Bücherbus aus Wilhelmshaven– ich erinnere mich noch heute an seine Ankunft in unserem Dorf, damals in meiner Grundschulzeit. Unsere Gemeinde hatte noch keine eigene Bücherei. Der Bücherei in Wilhelmshaven habe ich bis zu meinem Wegzug nach Hannover die Treue gehalten.

Man, was habe ich da für Mengen an Büchern rausgeschleppt.

Wir wussten: Wenn dieser Bus kam, war die weite Welt für ein paar Stunden greifbar. Zwischen seinen Regalen konnte ich in den Weltraum oder die Tiefsee abheben. Für ein Kind auf dem Land war das ein Privileg und gleichzeitig der Normalfall – zumindest für mich. Lesen war keine Frage. Es war Luft zum Atmen.

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Seitdem begleitet mich das Lesen durchs ganze Leben. In guten Zeiten und in schweren – auch nach meinem Schlaganfall wurde es wieder zu einer dieser meiner Ankerstellen. Umso interessanter finde ich die neue Studie der University of Cambridge, die das, was ich gelebt habe, jetzt wissenschaftlich deutlicher macht.

Die Cambridge-Studie: Was Forscher jetzt wissen

Kürzlich haben Wissenschaftler um Barbara Sahakian und Christelle Langley eine umfassende Untersuchung veröffentlicht, die Lesen und Gehirngesundheit neu vermisst. Ihre Erkenntnisse sind präzise – und für mich persönlich sehr bestätigend.

Was die Studie zeigt:

Bereits fünf Minuten Lesen von Fiktion können Stresslevel um bis zu 20% senken und die Konzentration verbessern. Bei regelmäßigem Lesen im älteren Alter ist das Alzheimer-Risiko um 33% niedriger, was einen Schutz vor kognitiver Abnahme bietet.

Lesen ist mit besserer Aufmerksamkeit, Gedächtnis und Exekutivfunktion verbunden – besonders bei Kindern und Jugendlichen. Bei Erwachsenen führt Lesen zu geringerem Stress, verbesserter Entspannung, größerer Empathie und besserem Verständnis verschiedener Perspektiven.

Also unbedingt weiterlesen? Leider hat diese Argumentation auch ihre Grenzen..

Der wichtige Vorbehalt: Assoziation statt Beweis

Die Forscher betonen selbst, dass viel der verfügbaren Evidenz observativ ist und Assoziationen zeigt, statt direkt zu beweisen, dass Lesen Geisteskrankheiten oder Demenz verhindert.

Das bedeutet: Es ist nicht so einfach, wie Lesen = gerettetes Gehirn. Es könnte auch sein, dass Menschen, die viel lesen, generell reflektierter leben, sich mehr Zeit nehmen, bildungsaffiner sind. Das Lesen ist dann Teil eines Gesamtbildes, nicht die isolierte Ursache.

Aber die Studie zeigt: Lesen ist nicht neutral. Es ist nicht nur eine Freizeitbeschäftigung neben anderen. Es hat tatsächlich Effekte auf unser Gehirn.

Was es für mich in der Schlaganfall-Rehabilitation bedeutete

Ich denke an meinen Orangen Bücherbus zurück und an all die Jahre danach. Nach meinem Schlaganfall war Lesen eine der Aktivitäten, die ich zurückerobern musste – nicht immer einfach, wenn die Konzentration fehlte, wenn das Auge ermüdet. Aber gerade deshalb war es auch ein Ziel: Lesen als Signal an mein Gehirn, wir bleiben zusammen und bauen neue Bereiche auf.

Die Cambridge-Studie bestätigt, was ich erlebe: Lesen ist Teil von Neuroplastizität. Es aktiviert mehrere Gehirnregionen gleichzeitig – Sprachverarbeitung, Empathie, Vorstellung. Wie andere mentale Aktivitäten fördert es kognitive Reserve und Resilience, was während Zeiten von Stress hilft, aber auch Outcomes bei Hirnverletzungen verbessern kann.

Die persönliche Botschaft

Und wenn du bisher noch nie viel gelesen hast , es ist nie zu spät. Mein Bücherbus kommt nicht mehr zu mir, aber die Bücher sind bei mir dank die Wurzel überall. Sie warten nur darauf, dass wir mit einem neuen beginnen.

Quelle

Sahakian, B. J., Langley, C., & Perrin, V. (2026). Reading and associations with brain health, cognition, well-being and mental health. Psychological Medicine, S0033291726105625. https://doi.org/10.1017/S0033291726105625

Diese Studie wurde in Zusammenarbeit mit der University of Cambridge und The Queen’s Reading Room veröffentlicht und basiert auf einer umfassenden Literaturanalyse zu den Effekten von Lesen auf mentale und kognitive Gesundheit über die gesamte Lebensspanne.

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Veröffentlicht von oschlenkert

männlich, 52 Jahre, verheiratet, 1 Kind, mitten im Leben ... und dann kam der Schlaganfall.

Ein Kommentar zu “Lesen und Gehirngesundheit: Von orangen Bücherbussen und Neuroplastizität”

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