Finale, ein Schloss in Belgien, eines Haddock würdig

Heute ist Schluss mit der Normandie. Der letzte Blick zurück geht auf einen Dundee-Schoner im Hafen von Fécamp – dieses Schiff, mit dem wir einen Nachmittag lang so getan haben, als wären wir Hornblower auf Landgang.

Zwei Woche dann in Villers sur Mer. Dort waren wir im letzten Jahr schon einmal.

Und heute, ganz plötzlich, noch ein Szenenwechsel: aus der Normandie – Land der echten Schlösser, die Hergé als Kulisse dienten – ging es heute zurück nach Belgien. Ins Chalet, zur Übernachtung, aber eben auch: in Hergés ureigenes Land.

Das ist die Pointe, die mir die ganze Fahrt über nicht aus dem Kopf ging. Kapitän Haddock bekam sein Schloss geschenkt – Klein-Mühlenhof, nachgezeichnet nach dem Château de Cheverny, mitten im Loiretal, mitten in Frankreich.

Ein belgischer Zeichner erfindet für seinen französischen Kapitän ein französisches Schloss.

Und Hergé selbst? Kein Schloss. Kein Moulinsart, keine geheimen Gänge, kein Nestor, der die Tür öffnet. Nur ein Zeichentisch in Brüssel – und, wenn man den Berichten glauben darf, mitunter das Gefühl, dass nicht er Tim antrieb, sondern eher Tim ihn.

Der unbekannte Herge Spiegel Artikel

Vielleicht ist das die eigentliche Lehre dieses Urlaubs, man muss nicht selbst das Schloss besitzen, um sich eines auszudenken. Man muss nicht selbst auf hoher See gestanden haben, um zu wissen, wie sich Freiheit anfühlt, wenn der Wind von Achtern kommt.

Hergé hat nie ein Schiff kommandiert und trotzdem die vielleicht bekannteste Reisegeschichte in 23 Bänden des 20. Jahrhunderts gezeichnet.

Heute also: Abschied von der Normandie, von Fécamp, vom Dundee, von Monet, von allem, was diese Wochen ausgemacht hat. Und dann kommt die Ironie des Schicksals: Wir checken ein – Chatelet Kremer irgendwo im wallonischen Grün – und stehen plötzlich vor einem Turm mit Schieferdach, einer Freitreppe aus dunklem Holz, einem Kristalllüster und einer Standuhr, die aussieht, als hätte sie schon Ritter Franz von Hadoque die Zeit angesagt. Kein Nestor öffnet die Tür, aber ansonsten fehlt nicht viel. Hergé musste sich für sein Moulinsart eine Broschüre aus dem Loiretal ansehen. Wir mussten nur für die Rückfahrt ein Zimmer buchen.

Mein erstes Himmelbett

Passender Schlusspunkt für einen Urlaub, der ohnehin die ganze Zeit zwischen Fiktion und Wirklichkeit gependelt ist.

Veröffentlicht von oschlenkert

männlich, 52 Jahre, verheiratet, 1 Kind, mitten im Leben ... und dann kam der Schlaganfall.

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