Nur die Touques trennt sie – keine hundert Meter Wasser, und doch zwei komplett verschiedene Welten. Wir haben in dieser Woche beide besucht: erst einen Nachmittag in Deauville, dann den Markttag heute in Trouville. Zwei Spaziergänge totalen der Gegensätze.
Spaziergang eins: Deauville
Man beginnt an den “Planches”, jener berühmten Holzpromenade mit den nach Filmstars benannten Umkleidekabinen – Rita Hayworth, Timothy Dalton, Jack Nicholson, ein Defilee vergangenen Glanzes. Man kann sich gut vorstellen, wie hier in den 1920er Jahren die Pariser Gesellschaft ausschwärmte: weiße Sonnenschirme am Strand, Herren in gestreiften Blazern zwischen Rennbahn und Casino, während sich am Horizont die ersten Yachten der Saison ankündigten – ein Sommer, in dem jeder jeden kannte und keiner zugab, wie viel er beim Börsencrash verloren hatte.

Von diesem Glanz ist heute vor allem die Kulisse übrig.

Der Pool der Strandakarden, in Art-déco-Rundungen gegossen, wirkte eher nach Verwitterung so ohne Wasser als nach Belle Époque.

Am “Bar de la Mer” versprach die Speisekarte le allem eines, hohe Preise. Ja, man spaziert gerne hier – die Fassaden sind hübsch, die Planken gepflegt genug. Aber es bleibt ein Spaziergang durch ein Museum, das seine Vitrinen seit Jahrzehnten nicht mehr abgestaubt hat.
Deauville: ja, aber…
Spaziergang zwei: Trouville ein paar hundert Meter weiter
Der zweite Spaziergang, am Mittwoch, führt nur über die Brücke – und doch fühlt es sich an wie ein anderes Land. Bei “Chez Alain” stapeln sich Langusten und Tourteaux-Scheren auf zerstoßenem Eis, Verkäufer in gelben Ölzeug-Schürzen rufen Preise über die Köpfe der Kundschaft, und der Geruch von Meer und Sonnencreme hängt greifbar in der Luft. Kein Skript, keine Kulisse – nur Fisch, der heute Morgen noch geschwommen ist.

Ein paar Gassen weiter türmen sich Trödel und Art-déco-Sessel zwischen Blumenkleidern am Kai, während die Boote im Hafenbecken schaukeln. Und mittendrin, ganz unaufgeregt, ein kleiner Blumenladen namens “Corail Pétale” mit rot-weißer Markise und einem Handwagen voller Topfpflanzen vor der Tür – niemand hat ihn für Touristen inszeniert, er ist einfach da.

Das große “TROUVILLE SUR-MER”-Schild, bringt es besser auf den Punkt als jede Hochglanzbroschüre: Hier wird gelebt, nicht posiert. Trouville: UNBEDINGT.
Unser Fazit
Deauville ist die Diva, die sich noch immer für den Mittelpunkt hält, während das Publikum längst Richtung Mittelmeer weitergezogen ist. Trouville braucht keine Filmstar-Cabinen – der Fisch, die Händler, der Blumenladen um die Ecke, das genügt völlig. Authentizität lässt sich eben nicht wirklich inszenieren. Man hat sie oder eben nicht.