2020 hatte ich meinen Schlaganfall. Danach war ich insgesamt sechs Monate in der Reha. Ich hatte Glück und durfte neben klassischen Ergotherapeuten mit zwei Robotern trainieren.
https://weitermitplanb.org/2021/06/30/mein-freund-der-roboter-wie-weit-darf-robotik-und-ki-gehen/
Resultat: Ich kann meinen rechten Arm und mein Bein wieder „fast“ mir bewegen. Lag das nun besonders an den Robotern und wie fällt der Kostenvergleich zwischen Robotertherapie und konventioneller Therapie aus?
Eine neue Studie hat das Thema jetzt beleuchtet:
Die hohen Anschaffungskosten gelten seit 30 Jahren als eines der größten Hindernisse für den Einsatz von Rehabilitationsrobotern in der klinischen Praxis. Eine neue Studie (Gower et al., Scientific Reports 2025) vergleicht drei verschiedene Organisationsmodelle in Rehabilitationszentren aus den USA, UK und Italien, um herauszufinden, unter welchen Bedingungen Robotertherapie wirtschaftlich sinnvoll ist.
Die drei untersuchten Modelle
VA-Robotics (USA) – Ein Therapeut betreut 4 Patienten gleichzeitig (1:4-Verhältnis). Pro Patient wird nur 15 von 60 Therapieminuten direkte Aufsicht benötigt.
RATULS (UK) – Ein Therapeut betreut einen Patienten (1:1-Verhältnis), identisch zur konventionellen Therapie. Der erhoffte Vorteil lag ausschließlich in besseren klinischen Ergebnissen.
FDG (Italien) – Ein Therapeut betreut 3 Patienten gleichzeitig (1:3-Verhältnis) in 45-Minuten-Einheiten.
Klinische Ergebnisse
Die klinischen Outcomes der Robotertherapie sind mit konventioneller Therapie vergleichbar – auch bei Modellen, wo ein Therapeut mehrere Patienten gleichzeitig betreut. Das heißt: mehr Patienten, gleiche Qualität.
Kostenergebnisse
| Modell | Kosten Roboter/Std. | Kosten konventionell/Std. | Differenz |
|---|---|---|---|
| VA (USA) | 28,21 $ | 34,23 $ | −18% |
| RATULS (UK) | 114,72 $ | 55,96 $ | +105% |
| FDG (Italien) | 23,31 $ | 33,22 $ | −30% |
Das UK-Modell ist teurer, weil die Roboter den Personalaufwand nicht reduzieren – der Therapeut ist trotzdem 1:1 gebunden, während die teure Technik obendrauf kommt.
Der entscheidende Faktor: Auslastung
Damit Robotertherapie Einsparungen bringt, müssen genug Therapieplätze tatsächlich belegt sein:
- FDG (Italien): Mindestens 47,7 % der Slots müssen gefüllt sein
- VA (USA): Mindestens 76,6 % der Slots müssen gefüllt sein
- RATULS (UK): Robotertherapie ist immer teurer, unabhängig von der Auslastung
Haupterkenntnisse
Die Schlüsselbotschaft ist einfach: Das Verhältnis Therapeut zu Patient ist der wichtigste Kostenhebel. Wenn ein Therapeut mehrere Patienten gleichzeitig betreuen kann, sinken die Kosten deutlich. Wenn nicht, addieren sich die Gerätekosten schlicht auf die ohnehin schon vorhandenen Personalkosten.
Weitere wichtige Faktoren sind die Auslastung der Geräte und die Lohnkosten der Therapeuten – letztere begünstigen Robotertherapie besonders in Ländern mit hohen Arbeitskosten.
Fazit der Studie
Roboter-Rehabilitation kann wirtschaftlich vorteilhaft sein – aber nur mit dem richtigen Organisationsmodell. Die Technologie muss so eingesetzt werden, dass ein Therapeut mehrere Patienten gleichzeitig sicher betreuen kann, und die Geräte müssen gut ausgelastet sein. Die Studie liefert ein konkretes Rechenmodell, mit dem Krankenhäuser datenbasierte Investitionsentscheidungen treffen können.
Damals in der Reha hatte ich eine 1:1 Betreuung, also sehr ähnlich dem englischen Modell.
Ich war sehr dankbar dafür, es hätte finanziell jedoch keine Vorteile gebracht. Anders sehe es aus, wenn die Einrichtung ein anderes Betriebsmodell gewählt hätte. Im Verhältnis 1:2 oder gar 1:4. Dann wäre die relative Therapiemenge pro Therapeut wesentlich höher gewesen. Allerdings hätten auch mehr Geräte angeschafft werden müssen.
Gar nicht betrachtet wurden die Folgekosten. Was wäre passiert, wenn ich wegen mangelnder Therapie gar nicht wieder hätte arbeiten können?
Dann hätte ich seit sechs Jahren vermutlich bereits Erwerbsminderungsrente bezogen. Aus meiner Sicht sind auch diese Kosten einzurechnen. Wenn auch sicher nicht in die des Einrichtungsträgers.
Die Robotertherapie stellt meiner Meinung nach eine sinnvolle und kostengünstige Ergänzung zur konventionellen Therapie in Zeiten des Fachkräftemangels dar. Habt ihr schon Erfahrungen mit der Robotertherapie gemacht?
Quelle: Gower V, Hamilton T, Spinelli F, et al. Breaking down costs: rehabilitation robotics vs. usual care therapy in diverse healthcare models. Sci Rep. 2025 Nov 19; 15(1): 40720. https://doi.org/10.1038/s41598-025-24656-7