ePA, bitte Zahlen

Seit Ende April ist sie jetzt da, die elektronische Patientenakte. Was hat das ganze überhaupt gebracht? Die ersten Studien sind da und ziehen ein sehr gemischtes Fazit. Großer Wurf oder Milliardengrab, wir werden sehen.

Eigentlich eine ganz tolle Idee. Der grüne DIN A4 Ordner nach meinem Schlaganfall umfasst eine Dicke von 15 Zentimetern. Der Arzt in der Reha, meine Physio- und Ergotherapeuten, mein Hausarzt, meine junge Neurologin, mein Apotheker, alle greifen bequem auf meine digitale Patientenakte zu. Alles dreht sich um mich, allerdings habe ich schon in meiner analogen Akte ein Problem festgestellt. Niemand außer mir möchte die zugegeben zahlreichen Zwischenbericht und Abschlussberichte lesen. Mein Hausarzt ist die Krönung. Ich leide an Bluthochdruck und messe auch zuhause meinen Blutdruck. Leider konnte ich ihn nicht bewegen, einmal auf die Grafik in meinem Handy zu schauen, er verlässt sich auf den einen Wert in der Praxis.

Also als Betroffener und aus beruflichen Gründen interessiert mich die ePA. Hält sie, was man sich von ihr verspricht?

Pressemitteilung: Der SBK ePA-Puls: Der Bekanntheitsgrad der elektronischen Patientenakte „ePA für alle“ ist gut. Im Versorgungsalltag ist sie allerdings noch nicht angekommen. (05.06.2025)

Was uns (bisher) versprochen wurde:

„Die Bevölkerung wird die Vorteile sehr schnell spüren“, sagte Lauterbach zum Start der ePA für alle im Januar 2025. Behandlungen würden transparenter und Kranke könnten dann mithilfe von Künstlicher Intelligenz mehr über ihre Risikofaktoren und eine Zweitmeinung erfahren, lobte er. Aber auch in der unmittelbaren Versorgung seien Verbesserungen zu erwarten. „Es sind oft Komplikationen, die Kosten verursachen“, sagte er zu möglichen Einsparungen. „Das ist aber schwer quantifizierbar.“

Karl Lauterbach laut Wirtschaftswoche

Was könnte denn überhaupt eingespart werden:

Zuvor hatte die für die ePA zuständige Abteilungsleiterin im Ministerium, Susanne Ozegowski, davon gesprochen, wie Studien zufolge grob gerechnet ein Potenzial der ePA bestehe, etwa eine halbe Million Krankenhausbehandlungen im Jahr zu vermeiden. Diese kämen zustande, wenn zum Beispiel gleichzeitig zwei unverträgliche Medikamente eingenommen würden. Das lasse sich durch die Übersicht in der digitalen Medikationsliste künftig vermeiden. Bei durchschnittlichen Kosten von 5000 Euro je Krankenhausaufenthalt seien hier Einsparungen von 2,5 Milliarden Euro denkbar.

Wirtschaftswoche

Soweit die Haben Seite. Fehlt die Soll Seite. Was hat das Vorhaben bisher eigentlich gekostet?Angaben sind dazu schwer zu finden. Die einzige war eine Angabe von 3 Mrd. Euro Stand 2020, also vor der Pandemie und vor der heißen Einführungszeit. Ich vermute mal nach der Einführung Quartal 1/25 sind wir sicher im zweistelligen Milliardenbereich.

Und die bis jetzt ermittelten Resultate finde ich eher wenig berauschend.

Aktive Nutzung von einem Fünftel der Befragten geplant

Immerhin 21 % der Befragten nutzen die „ePA für alle“ bereits jetzt aktiv oder planen dies. Für sie steht eine verbesserte Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Gesundheitsdienstleistern ganz oben auf der Liste der Mehrwerte, die die ePA bietet. Besserer Einblick in Untersuchungsergebnisse und weniger Papierkram stehen auf Platz zwei und drei. Die große Mehrheit (56 %) der Befragten lässt das Digitalisierungsvorhaben erst einmal auf sich zukommen. Vor allem Zeitmangel und fehlender Bedarf sind die Gründe dafür. Insgesamt 11 % haben widersprochen – vor allem aufgrund von Datenschutzbedenken.

SBK

Bei den 21 Prozent hätte ich mir eine Trennung gewünscht, in die die ihre Patientenakte wirklich schon mal genutzt haben und die, die das lediglich beabsichtigt und damit die Hoffnung auf Besserung in der Zukunft haben.

Das Thema Medikamente lasse ich nicht ganz gelten. Das ging auch schon mit dem bundeseinheitlichem Medikationsplan. Das braucht nicht unbedingt eine vollständige Akte.

Am leichtesten kann ich mir Vorteile für die Abrechnung der Krankenkasse sowie Daten für die medizinische Forschung vorstellen.

Und wie sieht es konkret in der (Arzt)Praxis aus?

In der Arztpraxis ist die ePA nur selten Thema

Im Versorgungsalltag ist die „ePA für alle“ noch nicht angekommen. 82 % gaben an, noch nicht mit ihrem Arzt, ihrer Ärztin oder dem Praxispersonal über die ePA gesprochen zu haben. Lediglich 9 % der Befragten hat der Arzt oder die Ärztin auf die ePA hingewiesen. Das steht im deutlichen Gegensatz zu dem, was sich die Patientinnen und Patienten wünschen: 63 % der Befragten möchten in der Arztpraxis proaktiv über die Möglichkeiten der ePA informiert werden. 

4 % haben aktiv in der Arztpraxis nach der ePA gefragt – rund zwei Drittel bekamen eine positive Antwort. Als Gründe, warum die Ärzte (bisher) nicht mit der ePA arbeiten, wurden technische Ursachen genannt sowie ein generell eher abwartendes Verhalten gezeigt.

SBK

Habt ihr eure ePA schon genutzt? Wenn ja, wofür genau? Habt ihr schon mal über eure ePA Abrechnungsdaten eurer Krankenkasse erhalten? Schreibt mir gerne einen Kommentar.

Das Ergebnis finde ich deutlich. Digitalisierung ist meiner Meinung nach nicht nur die Bereitstellung neuer Aufbewahrungsorte sondern die Bereitstellung pfiffiger Lösungen zur Kommunikation und Zusammenarbeit im Sinne von uns Patienten. Ob diese Transformation gelingt? Wir werden sehen.

Veröffentlicht von oschlenkert

männlich, 52 Jahre, verheiratet, 1 Kind, mitten im Leben ... und dann kam der Schlaganfall.

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