Das Thema Religiösität weckt in mir ziemlich ambivalente Gefühle. Als Kind war ich zweifellos religiös? Oder doch eher am alten Charme der örtlichen Kirche interessiert?
Darüber habe ich mir damals keine Gedanken gemacht. Fest steht, ich bin sehr gerne zum Konfirmationsunterricht in sonntags in die Kirche gegangen,
Danach haben sich unsere Wege getrennt. Ich habe mich immer mehr für Naturwissenschaft interessiert und nach dem Studium den Bezug völlig verloren.
Das Ganze ging bis zu meinem Schlaganfall und dem anschließenden langen Aufenthalt in der Reha unter Pandemiebedingungen.
Auch hier bin ich nicht gläubig geworden im eigentlichen Sinne. Ich glaube an kein höheres, externes Wesen. Aber das Thema Spiritualität nimmt im Rollstuhl und fernab der Liebsten doch eine besondere Rolle ein.
Jammern gilt nicht
Was wird aus mir werden? Komme ich wieder aus der Reha raus? Was werde ich dann wieder können? Aber auch die Frage, warum hat es ausgerechnet mich getroffen? Ich möchte den Menschen kennenlernen, der in dieser Situation nicht seine spirituelle Seite (wieder) entdeckt.
Ich hatte zwei Jahre vorher Herbert beim Segeln in Elba kennengelernt. Herbert ist vom Fach, er ist evangelischer Pastor. Direkt aus der Reha habe ich ihn an gechattet. Und Herbert hat mich an seinen Gedankengängen teilhaben lassen. Gedankengänge sind kurze Videos auf Youtube. Hier könnt ihr sie finden.
Die Videos haben mir viel Kraft gegeben. Du bist nicht allein, auch nicht in der Reha unter Pandemiebedingungen und ohne direkten Kontakt zu meiner Frau. Ich mag mir gar nicht vorstellen wie es ohne Handy und digitalem Zugang gewesen wäre.

In dieser Zeit habe ich das Thema vom Heiligen Geist verstanden, wenigstens ansatzweise. Es gibt eine Kraft, die uns Menschen verbindet, die dazu führt, dass wir uns nicht gleichgültig sind, obwohl wir uns vielleicht gar nicht lange kennen.
Für mich ist das zum Geheimnis meines “ persönlichen Glaubens“ geworden. Es ist etwas in bzw. zwischen uns. Er setzt nicht auf Wunder im Sinne von aktiver Naturbeeinflussung. Sondern es ist etwas zwischen uns, dass verhindert, dass andere uns einfach gleichgültig sind. Und das halte ich immer wieder für ein besonderes Wunder.
Wie ist es euch während eurer Krankheit ergangen? Seit ihr gläubig oder habt ihr in dieser Zeit zum Glauben gefunden? Hinterlast gerne einen Kommentar.
Foto von Rodolfo Clix: https://www.pexels.com/de-de/foto/nahaufnahmefoto-der-person-die-in-den-vorderen-gekerbten-kerzen-betet-1024900/