In der Nacht ist der Mensch nicht gern alleine,
Marika Rökk
Denn die Liebe im hellen Mondenscheine,
Ist das schönste, sie wissen was ich meine,
Einesteils und andrerseits und außerdem.
Denn der Mensch braucht ein kleines bißchen Liebe,
Grade sie ist im großen Weltgetriebe
Für das Herz wohl das schönste aller Triebe,
Einesteils und andrerseits und außerdem.
Meine Großeltern Hedwig und Wilhelm Schlenkert haben sich Mitte der zwanziger Jahre kennengelernt. In Sande bei Wilhelmshaven. Das ist tiefste Provinz und ganz weit weg von Berlin, wo ja die Handlung von Babylob Berlin spielt. Auch Sande mit seinen ca. 10.000 Bewohnern entspricht nicht gerade dem Leben in der Großstadt.
Mein Opa war als junger Marineangehöriger in Wilhelmshaven an der Nordsee stationiert. Er gehörte zu den 100.000 Soldaten, die der Versailler Vertrag Deutschland zugebilligt hatte. Meine Oma hatte, ganz modern, schon eine Ausbildung als kaufmännische Angestellte in der örtlichen Schokoladenfabrik absolviert. Beschäftigt war sie in diesen bewegten Jahren in einer Bank in Jever. Sehr ungewöhnlich, mit „nur“ einem Volksschulabschluss.
Mein Vater kannte sogar noch die Einzelheiten des für unsere Familie so schicksalhaftem Zusammentreffens. Beim Tanzen sei es gewesen. Noch ganz altmodisch, mit Tanzkarte, auf der sich die Verehrer eintragen mussten. Ich stelle mir das ein klein wenig wie die Szenen in Babylon Berlin vor. Schnelle Musik mit frechen Texten. Nur viel schüchterner und etwas steif und gezwungen. Vielleicht war der große Bruder meiner Oma dabei und hat dem Tanzpaar misstrauisch hinterher geschaut.
Der Alltag für weite Bevölkerungskreise wurde in den Zwanziger Jahren zunehmend von einer konsum- und freizeitorientierten Massenkultur bestimmt, die mit neuen Medien das Bedürfnis der Menschen nach Unterhaltung und Entspannung befriedigte. Mitte der Zwanziger gingen täglich etwa zwei Millionen Menschen in die Kinos
Dhm.de
Ja, sie sind auch mal jung gewesen. Auch wenn ich sie aus dieser Zeit natürlich gar nicht kenne. Die zeit ihres Kennenlernens besitze ich heute noch auf 12 alten Glasnegativen (Photoarbeiten werden nur 6 Wochen aufbewahrt, steht auf der alten Packung. Für Glasschäden wird kein Ersatz geleistet.)
Auf den Spuren der eigenen Wurzeln
Mein Opa ist extra zu Fuß aus Wilhelmshaven am Kanal lang, die 12 km nach Sande gelaufen. Ein Omnibus oder Automobil, damals noch Fehlanzeige. Die Bahn, bereits vorhanden aber vermutlich einfach zu teuer.
Die Einführung des Achtstundentags ermöglichte es in der Weimarer Republik auch Arbeitern, sich nach Feierabend einer aktiven Freizeitbeschäftigung zu widmen.
Dhm.de
Nun, es ist mehr draus geworden. 1930 haben die beiden geheiratet, zwei Söhne wurden danach geboren.
Gestern haben sich alle Schlenkerts aus dieser Verbindung in Cuxhaven getroffen. Insgesamt über 20 Personen. Genau dann spüre ich immer dieses besondere Band, welches mich mit meinen Vorfahren und Nachkommen verbindet. Mein Opa hat den Krieg gut überstanden, ist 1986 verstorben und durfte 56 Ehejahre mit seiner Frau glücklich verbringen.
Für mich sehr beneidenswert.

2 Kommentare zu „Mein Babylon Berlin“