Digitaler die Glocken nie klingen

Verweist ist der Platz neben dem Fernseher. Gerade habe ich meine Stereoanlage abgebaut. Endgültig. Wie ist es dazu gekommen? Die Geschichte beginnt bereits in meiner Kindheit.

Ich habe schon immer eine Musikanlage gehabt. Schon fast seit ich denken kann. Ich kann mich gut selbst beschäftigen, aber Musik muss dabei sein.

Meine erste Anlage war eine Musiktruhe aus den 50er Jahren. Darauf habe ich dann meine Märchenplatten gespielt. Später Old Shatterhand. Die hätte ich gerne wieder zurück. Auf der einen Seite Plattenspieler, auf der anderen Seite Barfach. Das waren richtige Gebrauchsmöbel. Bei den vielen Chromleisten spürt man die Ehrfurcht, die in diesen Objekten steckte. Heute hätte ich auch was zum reinstellen, aber ich habe sie leider schon im Kindesalter geschrottet.

Die nächste Anlage hatte ich dann von meinem Vater. Seine alte Anlage aus dem Wohnzimmer, die er noch eigenhändig gebaut hatte. Gehäuse, Platinen, Lautsprecher, alles selber gemacht. Erste Platte Glen Miller.

Diese Anlage hat mich durch die Schulzeit und Ausbildung begleitet. Seit dieser Zeit immer mal wieder eine neue Anlage. Was das Portmonee so hergab halt. Der Plattenspieler ist verschwunden und wurde durch den CD-Player ersetzt.

Vor zwei Jahren begann dann der allmähliche Abstieg. Wir haben das Wohnzimmer umdekoriert und die CD Sammlung in vier großen Ikea Regalen musste weichen. Wir hatten sie fast nicht mehr gespielt. Nur zu Weihnachten haben wir Sabines Weihnachts-CD aufgelegt. Die Anlage aber durfte erst einmal bleiben.

Stattdessen ist Spotify, der Musik Streaming Dienst, in unser Leben getreten. Ein Klick und jedes gewünschte Lied wird gespielt. Und mit Spotify auch die Bluetooth-Lautsprecher. Wir haben zwei davon. Kleine Wunderdinger, die völlig ohne Kabel einen wirklich guten Klang entwickeln. Aber sie haben eine Achillesferse. Sie werden mit Akku betrieben und müssen daher immer geladen werden. Bei uns sind beide immer leer. Das hat meine Anlage noch einmal gerettet.

Kurz vor Weihnachten jetzt das AUS. Ich habe es länger kommen sehen, aber das Ende ist dann doch schmerzhaft.

In Gestalt eines DAB-Radios. Das hat einen stationären Stromzugang. Und eine Antenne zur Zirde. Sonst ist alles anders. Die erste Frage nach dem Anschalten lautete nach der IP-Adresse unseres WLAN-Routers. Gesteuert wird es über eine APP auf dem Handy. Der Klang ist zufriedenstellend, Störungen sind dank DAB Vergangenheit. Und es kann Bluetooth, Podcasts und Internetradio. Das Paradebeispiel für das Internet of Things und das definitive Aus für meine Anlage. Gegen diesen Komfort hat es letztendlich keine Chance.

Du wirst mir fehlen. Viele Abende haben wir zusammen verbracht. Fast 20 Jahre lang. Ich liebte deinen Klang, dein spartanisches und sehr übersichtliches Design. Aber obwohl, beim Design bin ich mir treu gewesen. Etwas bleibt. Beim neuen Radio haben wir uns für ein 60 Jahre Retrodesign entschieden.

Ich wünsche euch allen ein frohes Weihnachtsfest und bleibt bitte gesund.

Euer Olaf

Veröffentlicht von oschlenkert

männlich, 52 Jahre, verheiratet, 1 Kind, mitten im Leben ... und dann kam der Schlaganfall.

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