Meisterliches

Im Abschlusszeugnis der Realschule hatte ich nur eine Vier: In Kunst. Ich bin kein Maler und war mit zwei Bildern deutlich ins Hintertreffen geraten. Meine Lehrerin versuchte mir noch eine Brücke zu bauen. „Wenn du die beiden Bilder noch malst, erhältst du eine drei“. Ich habe die Vier genommen. Leider haben wir uns damals nicht mit den unterschiedlichen Malstilen beschäftigt, sondern nur selber drauflos gemalt.

Das hole ich jetzt nach. Die Sendung heißt „Das Geheimnis der Meister.“ Der niederländische Künstler Jasper Krabbe´ und sein Team beschäftigen sich mit bekannten Bildern berühmter Maler. Sie versuchen das ausgewählte Bild möglichst genau mit den damals vorhandenen Techniken und Materialien zu kopieren. Im Laufe der Folge erfährt man dann viel über den Malstil, den Maler, die Materialien oder den Ort der Entstehung. Wo hat der Maler genau gestanden? Welche Materialien hat er eingesetzt? Nutzt er raffiniert die Farbe der Grundierung aus? Welcher Rahmen gehörte ursprünglich zu diesem Bild? Merke: Auch ein Rahmen sagt viel zum Bild aus.

Gestern habe ich die Folge über Claude Monet gesehen. Er hat die „Kromme Waal“ in Amsterdam gemalt. Claude Monet gilt als Vater des Impressionismus. Zu Recht. Das Einfangen der Stimmung in diesem Augenblick, die Reflexionen auf dem Wasser, mit wenigen schnellen Strichen gemalt, ist wirklich meisterlich. Interessant ist auch der Blick der Neuropsychologin auf die Bilder. Die zwei hauptsächlichen Wirkungsmechanismen auf unser Gehirn sagen viel über Empfinden wie Glück, Anregung aber auch Ablehnung und Kritik.

Heute hätte ich mich anders entschieden. Heute hätte ich die zwei Bilder gemalt. Vermutlich nicht so, wie meine Lehrerin sich dies vorgestellt hätte. Mit dem Wissen von heute aber so, wie es mir richtig für den damaligen Augenblick vorgekommen wäre. Es ist so, Kunst macht im besten Fall was mit dir.

Das Geheimnis der Meister, 3sat Mediathek, unbedingt ansehen.

Veröffentlicht von oschlenkert

männlich, 52 Jahre, verheiratet, 1 Kind, mitten im Leben ... und dann kam der Schlaganfall.

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