Zweifel und Zuversicht

Um diesen Beitrag drücke ich mich schon längere Zeit herum. Aber es ist an der Zeit Farbe zu bekennen, auch wenn diese Denkweise für mich sehr ungewohnt ist. In meiner Zeit im Krankenhaus und der Reha hatte ich mehrere Momente, in denen ich mental ganz unten war. Ich lag fast völlig bewegungsunfähig in meinem Bett, das Zimmer war schmutzig und dunkel und ich hatte keine Zuversicht für meine Zukunft mehr. Plötzlich musste ich an meinen Konfirmationsunterricht Anfang der achtziger Jahre denken. Gemeinsam haben wir mit dem Pastor ein Buch gelesen. Dort schrieb ein Bombenschütze der US Air Force, der mit seiner Besatzung im Zweiten Weltkrieg im Pazifik abgestürzt war, über seinen Leidensweg in einem kleinen Rettungsboot und viele kleine Zufälle wie unverhoffter Regen, kleine Fische die ins Boot gespült wurden, die ihn den ungläubigen Jungspund, in dieser Zeit Gott näher gebracht haben.

Ein Gedanke und eine Inspiration, den ich seit damals vor beinahe 40 Jahren völlig vergessen hatte. Warum musste ich gerade jetzt daran denken? Irgendwie fühlte ich mich bei der Geschichte nicht mehr so alleine und hilflos. Ich erinnerte mich an Herbert, einen glücklicherweise „unkonventionellen“ Pastor, den ich im Urlaub letztes Jahr auf Elba beim Segeln kennengelernt habe. Ich habe ihn über What’s App angeschrieben. Herbert und ich kennen uns nicht sonderlich gut. Ich bin in keiner Kirche, würde mich als nicht gläubig bezeichnen. Das wusste Herbert auch schon aus dem Urlaub. Trotzdem hat Herbert sich umgehend zurückgemeldet. Im Laufe der Zeit haben wir mehrfach telefoniert und Herbert hat mir die Videopredigten seiner Gemeinde während der Lockdownzeit geschickt. Am Rande, Corona hatte für mich persönlich somit auch etwas Gutes. Die Inhalte waren eher unkonventionell, viel schöne und moderne Musik und kurze einfühlsame Texte. Dies hat mir im Laufe der Zeit Mut und Energie für die weiteren anstrengenden Ziele in meiner Rehabilitation zurückgegeben.

Sollte unsere Begegnung auf Elba und die Reaktion von Herbert nach meinem Schlaganfall vorbestimmt und kein Zufall sein? Es gibt wohl mehr Dinge zwischen Himmel und Erde, als wir oder besser ich mir vorstellen kann. Wacht vielleicht doch jemand über uns? Diese Frage haben Herbert und ich bereits auf dem Segelboot auf Elba bewegt. Letztendlich muss jeder dies für sich selber entscheiden. Ich persönlich weiß es immer noch nicht abschließend, wünsche es mir aber nach dieser Erfahrung. Eines aber möchte ich aus ganzem Herzen sagen: DANKE HERBERT!

Veröffentlicht von oschlenkert

männlich, 52 Jahre, verheiratet, 1 Kind, mitten im Leben ... und dann kam der Schlaganfall.

3 Kommentare zu „Zweifel und Zuversicht

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