Ich saß heute Morgen zum ersten Mal ganz alleine in unserem Garten. Alles war so ruhig, die Sonne lacht, nur die Vögel und Insekten um mich herum . Ich musste sofort an Saltkrokan denken. Habe ich damals vor über fünfzig Jahren zum ersten Mal kennengelernt.
Astrid Lindgrens „Ferien auf Saltkrokan” ist weit mehr als eine charmante Feriengeschichte – es ist ein Hymnus auf die Schönheit des Augenblicks und die Kunst, wirklich zu leben.
Das Buch erzählt für mich von der Familie Melcherson, angeführt durch den verwitweten, etwas chaotischen Schriftsteller Melcher, der mit seinen vier Kindern das Ferienhaus „Schreinerhaus” auf der schwedischen Schäreninsel Saltkrokan mietet – nur weil ihm der Name romantisch klingt. Was folgt, ist eine Serie von Abenteuern, Missgeschicken und unvergesslichen Momenten, durchwoben mit einer tieferen Wahrheit über das Aufwachsen, die Familie und die Essenz von Glück.
Bereits auf der zweiten Buchseite stellt Melcher seinen Kindern die Frage, die das ganze Werk durchzieht:

„Begreift ihr, dass das schön ist? Begreift ihr, wie glücklich ihr euch preisen könnt?”
Diese einfache, aber profunde Frage richtet sich nicht nur an Melchers Kinder – sie richtet sich an uns alle. In einer Welt, die ständig nach mehr strebt, verlangsamt Melcher seine Familie und fordert sie auf, anzuhalten und zu erkennen: Das ist das Leben.
Melcher ist kein perfekter Vater. Er kann keinen Nagel einschlagen, ohne sich auf den Daumen zu hauen. Er versteht wenig vom praktischen Leben auf dem Land. Aber er versteht das Wesentliche: dass das Glück nicht in der Perfektion liegt, sondern in der bewussten Wahrnehmung und Wertschätzung dessen, was ist.
Seine Frage ist eine Antwort gegen Gewöhnung und Gleichgültigkeit. Sie ist eine Einladung an seine Kinder (und an Lindgrens Leser), den Reichtum ihrer gegenwärtigen Momente zu erkennen – die Heckenrosen, das Meer, die Mitternachtssonne, die Freundschaften, die sich unter den Kindern bilden.
„Begreift ihr, dass das schön ist?” – diese Frage ist zeitlos. Sie spricht zu jedem Kind, das aufwächst, und zu jedem Erwachsenen, der sich daran erinnert, was Staunen bedeutet. Sie erinnert uns daran, dass Lindgrens Saltkrokan nicht eigentlich eine Insel im Schärengarten ist – es ist ein Zustand der Achtsamkeit, ein Ort, den wir überall finden können, wenn wir bereit sind hinzuschauen.