Was kommt als Nächstes bei der elektronischen Patientenakte? Vom Medikationsplan über Push-Benachrichtigungen bis zur Forschungsdatennutzung – alle geplanten Schritte der ePA-Roadmap bis 2027 im Überblick. Ist das bereits der große Schritt zum echten Nutzen?
Vor meiner jetzigen Tätigkeit habe ich mich länger als Produktmanager einer Sozialwissenschaftlichen Software beschäftigt. Ein ganzes Team von bis zu 6 Mitarbeitern hat mit mir an dieser Software gearbeitet.
Eine der wichtigsten meiner Aufgaben war die Erstellung und Pflege einer Roadmap für unsere zukünftigen Funktionen unserer Software. Sozusagen die Vision wohin wir mit unserem Projekt hinwollen und was wir wann erreichen wollen.
Diese Roadmap habe ich in drei HauptRichtungen genutzt. Einmal in die Richtung meines Teams:
Hallo Team, das hier wollen wir in der nächsten Zeit bauen.
Aber auch in die Richtung der Beratung und des Vertriebs:
Hallo Vertrieb, diese Funktionen sind geplant und wenn sie da sind, könnt und müsst ihr sie auch verkaufen.
Und für die Chefs und ihre „Erbsenzähler“
Hallo Chefs, nein die Software ist noch nicht fertig. Aber im nächsten Schritt können wir dann folgendes. Und ja, das wird noch einmal richtig teuer.
Gibt es so etwas auch für die ePA, habe ich mich gefragt? In diesem Fall sind die Ziele, Aufgaben, Teams natürlich viel größer und komplexer. Hier die von Claude erstellte Antwort:
Die Ungeduld der Chefs (unserer Gesellschaft) nimmt dabei beständig zu, wie Marie-Claire Koch in ihrem sehr informativen Digital Health Newsletter für Heise.de aktuell schreibt:
Beim Jubiläum 10 Jahre Medizininformatik-Initiative gab es einen historischen Rückblick und einen Ausblick, wohin die Reise gehen soll: Datenintegrationszentren, gemeinsame Standards und das Forschungsdatenportal Gesundheit stehen. In verschiedenen Vorträgen aus Bereichen wie Onkologie und Arzneimitteltherapiesicherheit ging es nicht mehr um Datenräume als Selbstzweck, sondern um konkrete Versorgungsfragen. Also etwa darum, Risiken früher zu erkennen, Therapien besser auszuwerten oder Fehler in der Routineversorgung sichtbarer zu machen.
Heise.de
Aktueller Stand (2025–2026)
Am 15. Januar 2025 startete die ePA für alle planmäßig. Seit dem 1. Oktober 2025 sind bundesweit alle Praxen, Krankenhäuser und Apotheken verpflichtet, die ePA zu nutzen.
Version 3.0.5 (Juli 2025 – abgeschlossen)
Diese Version diente vorrangig der Stabilisierung und Optimierung des Systems sowie der Integration des TI-Messengers für die Kommunikation zwischen Leistungserbringern und Patienten.
Version 3.1.3 (geplant März 2026)
Diese Version enthält unter anderem die vollständige Umsetzung des digital gestützten Medikationsprozesses (dgMP) und die Volltextsuche.
Nächste Schritte 2026
- Medikationsplan: Ab Juli 2026 soll der Medikationsplan in ausgewählten Regionen getestet und ab Oktober 2026 schrittweise bundesweit eingeführt werden.
- Push-Benachrichtigungen: Ab Sommer 2026 sollen Push-Benachrichtigungen verfügbar sein, die Versicherte über neue Dokumente und Inhalte in ihrer ePA informieren.
- Proof-of-Patient-Presence (PoPP): Der PoPP-Dienst soll in der zweiten Jahreshälfte 2026 starten und einen ortsunabhängigen Identitätsnachweis ermöglichen. Mobile Einsatzszenarien – etwa bei Hausbesuchen – sollen ab 2027 davon profitieren.
- TI-Messenger: Ab Anfang Q2/2026 steht der TI-Messenger für alle Krankenkassen zur Verfügung.
Version 3.2 (geplant März 2027)
Diese Version enthält den Laborprozess sowie Arzt- und Entlassbriefe.
Ab 2027
- Die Volltextsuche soll ab Januar 2027 schrittweise bundesweit bereitgestellt werden.
- Anfang 2027 sollen außerdem die Datenausleitung ans Forschungsdatenzentrum Gesundheit folgen.
- Für 2027 ist die Umsetzung des Laborbefunds nach EU-Vorgaben des Europäischen Gesundheitsdatenraums (EHDS) vorgesehen. In den Folgejahren sollen die elektronische Patientenkurzakte, Arzt- und Entlassbriefe sowie Bildbefunde folgen.
Wichtiger Hinweis
Die gematik behält sich ausdrücklich vor, ihre Roadmap jederzeit inhaltlich und terminlich abzuändern. Tatsächlich kommt es in der Praxis bereits zu Verzögerungen – 43 Prozent der Krankenhäuser erwarten eine krankenhausweite Nutzung der ePA erst ab dem dritten Quartal 2026.
Auch bei der Gematik findet man detaillierte Informationen.
Hier gibt es die Roadmap und entsprechende Releaseinfos.
Für mich klingt 2026 in Bezug auf die ePA noch nicht nach dem großen Wurf.
Wow, sie haben Post. In ihrer ePA gibt es ein neues Dokument.
Eher nach der Arbeit an Basisfeatures, die der Kunde wie selbstverständlich voraussetzt. Selbst die dringend notwendige Volltextsuche ist erst für 2027 geplant.
Das Kano-Modell klassifiziert Produktmerkmale (Features) in verschiedene Kategorien, basierend darauf, wie sie die Kundenzufriedenheit beeinflussen. Es unterscheidet im Wesentlichen zwischen folgenden Merkmalsarten
1. Basismerkmale (Must-be Quality)
- Definition: Selbstverständliche Anforderungen. Wenn sie fehlen, ist der Kunde unzufrieden. Wenn sie erfüllt sind, wird dies als normal empfunden und führt nicht zu höherer Zufriedenheit.
- Wirkung: Fehlen = Hohe Unzufriedenheit, Vorhandensein = Keine Zufriedenheit (Neutral).
- Beispiel: Ein Smartphone muss Anrufe tätigen können.
2. Leistungsmerkmale (One-dimensional Quality)
- Definition: Merkmale, die vom Kunden bewusst gefordert werden. Je besser sie erfüllt sind, desto zufriedener ist der Kunde.
- Wirkung: Lineare Beziehung: Hohe Erfüllung = Hohe Zufriedenheit, geringe Erfüllung = Unzufriedenheit.
- Beispiel: Die Akkulaufzeit eines Handys oder die Geschwindigkeit eines Autos.
3. Begeisterungsmerkmale (Attractive Quality)
- Definition: Unerwartete Features, die den Kunden überraschen und begeistern. Sie sind kein Muss, bieten aber das Potenzial zur Differenzierung vom Wettbewerb.
- Wirkung: Vorhandensein = Hohe Begeisterung, Fehlen = Keine Unzufriedenheit.
- Beispiel: Eine neue, einzigartige Kamerafunktion in einem Smartphone.
Es wird interessant sein, die jetzige Roadmapversion aufzuheben und mit zukünftigen zu vergleichen. So sieht man Veränderungen in der Priorisierung, jedoch auch Verzögerungen in den Teilprojekten. Soll ja beides gelegentlich mal vorkommen.
Habt ihr schon einmal in eure ePA geschaut? Habt ihr sie sogar schon mal für einen Arztbesuch gebraucht? Eure Erfahrungen würden mich sehr interessieren.