Ada – ePA 2.0 neuer Lotse im Westentaschenformat?

Wann geht ihr zum Arzt? Beim Auftreten der ersten Symptome einer Krankheit? Oder eigentlich immer zu spät? Oder ganz extrem, ihr geht eigentlich immer in die Ambulanz des Krankenhauses, der guten Ausstattung und schnellen Termine wegen?

Unser Gesundheitssystem ist in Schieflage. Es gibt immer weniger Ärzte und wenn vorhanden, werde diese von Patienten überlaufen. Könnte eine App vielleicht eingebettet in die ePA die Lösung für eine erste Lotsenfunktion bei auftretenden Krankheiten sein?

Die App Ada funktioniert so: Du gibst deine Symptome ein, und Ada stellt dir gezielte Folgefragen – ähnlich wie ein Arzt im Gespräch. Am Ende bekommst du eine Einschätzung möglicher Ursachen und eine Empfehlung, ob und wie dringend du einen Arzt aufsuchen solltest.

Das Szenario: Kopfschmerzen & Müdigkeit, ganz ehrlich ich habe in Wirklichkeit andere Beschwerden gewählt, möchte die hier aber ungern mitteilen. Deswegen ist das Szenario fiktiv um das Prinzip zu verdeutlichen.

Schritt 1 – Der erste Eindruck
Es ist Montagmorgen, ich wache auf und mein Kopf brummt. Nicht schlimm genug, um sofort zum Arzt zu rennen, aber unangenehm genug, um mir Gedanken zu machen. Seit zwei Tagen fühle ich mich schlapp, irgendwie ausgelaugt. Im App Store habe ich die App entdeckt. Also lade ich die App herunter.
Die Oberfläche ist einfach gehalten. Kein Chaos, keine aufdringliche Werbung. Nach einer kurzen Registrierung – Name, Geburtsdatum, Geschlecht – geht es auch schon los.

Schritt 2 – Das Gespräch beginnt
Ada begrüßt mich freundlich und fragt: „Was beschäftigt dich heute?”
Ich tippe: „Ich habe Kopfschmerzen und bin sehr müde.”
Was dann folgt, fühlt sich erstaunlich wenig wie eine App an – eher wie ein ruhiges Gespräch mit jemandem, der wirklich zuhört. Ada stellt eine Frage nach der anderen, immer eine auf einmal, nie überwältigend:
∙ „Wo genau spürst du die Kopfschmerzen – eher vorne, hinten oder überall?”
∙ „Wie stark sind die Schmerzen auf einer Skala von 1 bis 10?”
∙ „Seit wann hast du diese Beschwerden?”
Ich antworte: Stirn und Schläfen, etwa eine 5, seit zwei Tagen.

Schritt 3 – Ada bohrt tiefer
Jetzt wird es interessanter. Ada fragt Dinge, auf die ich selbst gar nicht gekommen wäre:
∙ „Hast du in letzter Zeit weniger geschlafen als sonst?”
∙ „Trinkst du ausreichend Wasser – schätzungsweise wie viel pro Tag?”
∙ „Bist du Brillenträger oder hast du längere Zeit auf einen Bildschirm geschaut?”
∙ „Hast du Fieber, Übelkeit oder Lichtempfindlichkeit?”
∙ „Hattest du in letzter Zeit viel Stress?”

Schritt 4 – Die Auswertung
Nach etwa 10–12 Fragen ist Ada fertig mit der Analyse. Es erscheint eine übersichtliche Ergebnisseite mit möglichen Ursachen, sortiert nach Wahrscheinlichkeit:
1. Spannungskopfschmerz – sehr wahrscheinlich
2. Dehydrierung – wahrscheinlich
3. Schlafmangel / Erschöpfung – wahrscheinlich
4. Migräne – möglich, aber weniger wahrscheinlich
Zu jeder Ursache gibt es eine kurze, verständliche Erklärung. Kein Fachchinesisch, keine Panikmache.

Schritt 5 – Die Empfehlung
Am Ende gibt Ada eine klare Handlungsempfehlung: Selbstbehandlung möglich – viel trinken, ausruhen, bei Bedarf ein Schmerzmittel. Sollten die Beschwerden nach drei Tagen nicht besser werden oder sich verschlimmern, wird ein Arztbesuch empfohlen.
Kein „Geh sofort in die Notaufnahme”, aber auch keine Verharmlosung.


Ada hat mich ehrlich überrascht. Die App lässt sich einfach bedienen – der Gesprächsfluss ist durchdacht, mein Arzt hätte ähnliche Fragen gestellt und das Ergebnis wirkte in meinem Fall plausibel.

Die App stellt sicherlich eine Weiterentwicklung der einfachen Symptomsuche über das allgemeine Internet dar und bietet über den Algorithmus deutlich individualisierte Informationen. Sie kann den Arzt jedoch keinesfalls ersetzen, sondern die ärztlichen Fertigkeiten und Kompetenzen möglicherweise ergänzen, etwa dann, wenn es um seltene Erkrankungen geht.

Ärzteblatt

Natürlich ersetzt das keinen Arzt, und das betont Ada selbst auch deutlich.
Für den Moment zwischen „Ich fühle mich komisch” und „Ich brauche wirklich einen Arzttermin” könnte Ada zunehmend eine sinnvolle erste Anlaufstelle darstellen.

Was mir noch fehlt ist die Erfassung von Vorerkrankungen. Die fehlen noch. Das habe ich auch dem Support geschrieben. Einen Tag später hatte ich diese Antwort:

Hallo, 
​
vielen Dank für Dein Feedback. Wir versuchen uns stets zu verbessern. 
​
Wir wissen, dass die Familienvorgeschichte und die persönliche Krankengeschichte ein wichtiger Teil eines vollständigen Gesundheitsprofils sind. Im Moment versuchen wir, diese Elemente in unsere Symptomanalysen einzubinden. 
​
Wir haben Deine Nachricht zur weiteren Prüfung an unser Entwicklungsteam weitergeleitet. 
​
Wenn Du weitere Ideen und Feedback hast, teile sie gerne mit uns. 
​
Pass auf Dich auf,

Victor

Werde ich machen und vielleicht kann Ada mir dabei zunehmend helfen? Ich werde mir so alle halbe Jahr die App wieder anschauen, mal sehen was die so für Fortschritte machen.

Ab wann würdest du so eine App nutzen? Ich freue mich auf einen Kommentar.

Foto von Fred dendoktoor: https://www.pexels.com/de-de/foto/meer-ozean-kuste-pilot-20384472/

Veröffentlicht von oschlenkert

männlich, 52 Jahre, verheiratet, 1 Kind, mitten im Leben ... und dann kam der Schlaganfall.

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