internord

Die neue Ausgabe unserer Firmenmagazins internord ist gestern erschienen. Meine Geschichte vom Schlaganfall vor fünf Jahren mit anschließender Schwerbehinderung ist drin.

Toll, ist ja ein wenig eine Erfolgsgeschichte und hilft vielleicht auch einigen anderen von Schwerbehinderung Betroffenen bei meinem Arbeitgeber? Immerhin sind wir dort fast 17.000 Menschen. Rein rechnerisch müssten also fast 1.000 Personen also ca. 6,2 Prozent Menschen mit Schwerbehinderung dabei sein.

Für mich führte dieser Beitrag zu der unerwarteten Situation, mit einem professionellen Journalisten zusammen arbeiten zu können. Da konnte ich mir einiges für meinen Blog abschauen.

Der Journalist hatte sich sehr gut auf unser Interview vorbereitet. Sich tief in meinen Blog und mein Buchprojekt eingelesen. Ich denke, nach unserem einstündigen Interview verstand er die Thematik Schlaganfall viel besser. Nicht nur die Anzeichen für einen Schlaganfall sondern auch die sehr wichtige Funktion der Stroke Units und der anschließenden Reha Einrichtungen.

Auch die Stolpersteine und Möglichkeiten in der Nachsorge habe ich im plastisch beschrieben. Auch meine Tätigkeit als ehrenamtlicher Richter hat er berücksichtigt. Abschließend konnte ich noch ein wenig Werbung für schwerbehinderte Arbeitnehmer machen.

Am folgenden Textentwurf von ihm hatte ich nur sehr wenige Korrekturwünsche.

Zusätzlich gab er mir noch einige wertvolle Tipps für mein Buchprojekt. vielen Dank dafür noch einmal.

Für euch ist es nicht ganz einfach das vollständig Interview auf unseren Systemen zu lesen. Ihr müsstet euch dafür erst dort registrieren.

Ohne Worte – Ein Friese im Podcast

Daher habe ich ihn einfach hier mal abgedruckt.

Über eure Meinung zu Text und Aussage in einem Kommentar würde ich mich sehr freuen.

Du hattest im Jahr 2020 einen Schlaganfall. Die Folge war eine halbseitige Lähmung. Wie geht es dir heute?

Im Großen und Ganzen habe ich viel Glück gehabt. Die halbseitige Lähmung verschwindet zwar nie mehr ganz. Man muss sich das so vorstellen, als würde man immer zusätzliche Gewichte am rechten Arm und Bein tragen. Die Bewegungen fallen mir schwerer. Mit meinen paar Einschränkungen komme ich aber inzwischen gut klar und bin komplett selbstständig. Manchmal verzweifle ich auch an der Welt, Ich komme nicht jeden Tag gleichgut mit meiner Behinderung klar, aber es gibt Menschen, die trifft es härter. Für mich ist das Glas immer halb voll, nicht halb leer.

 

Weißt du etwas über die Ursache des Schlaganfalls?

Ich war ein gesunder Mann, vielleicht mit ein paar Pfunden zu viel auf den Rippen, obwohl ich regelmäßig joggen war. Aber ich hatte dieses kleine Loch im Herzen, von dem ich nichts wusste. Das hat mir den Schlaganfall eingebrockt. Und plötzlich war ich schwerbehindert. Es ist wirklich nur ein Wimpernschlag, der das ganze Leben verändern kann. Ich bin froh, dass das Herz operiert und das Loch geschlossen ist. Das senkt die Gefahr eines zweiten Schlaganfalls. Dieses Glück hat nicht jeder. Bei vielen wird die Ursache für ihren Schlaganfall nie gefunden.

 

Kam der Schlaganfall damals völlig aus dem Nichts?

Aus heiterem Himmel. Wegen des ersten Corona-Lockdowns sind tags zuvor alle ins Homeoffice gegangen. Ich habe meinen Rechner zugeklappt, bin abends ins Bett gegangen. So gegen 3 Uhr morgenswurde ich wach und dachte, irgendwas ist komisch. Es tat nicht weh, es war ein ungewohntes Kribbeln und ein Gefühl der Schwere in der rechten Körperhälfte.

 

Was ist dann passiert?

Meine Frau hat mich gefragt, was los ist. Ich sagte, dass ich morgens zum Arzt gehen würde. Zehn Minuten später bin ich im Bad umgefallen. Glücklicherweise hat meine Frau goldrichtig reagiert und den Notarzt gerufen. Bei einem Schlaganfall ist Zeit ein entscheidender Faktor. Je schneller die Behandlung eingeleitet wird, desto größer sind die Chancen, bleibende Schäden zu minimieren. Der Notarzt hat sofort gesehen, was los ist. Meine Frau durfte wegen Corona nicht mit in den Rettungswagen und nicht mit ins Krankenhaus. Sie wurde vier Stunden später telefonisch informiert, dass ich halbseitig gelähmt bin.

 

Wann hast du deine Frau wiedergesehen?

Rund acht Wochen später. Das war ultrahart. Ich saß im Rollstuhl und war auf Pflege angewiesen. Ich bin Rechtshänder. Es ist erschreckend, wenn man versucht, wie gewohnt den Arm zu heben und es rührt sich nichts. Ich war traumatisiert. Im Nachhinein sehe ich es aber als Segen an, dass ich quasi isoliert war. So hatte ich Zeit, um mich vollkommen auf mich zu konzentrieren.

 

Du hast dich in beeindruckender Weise zurück ins Leben gearbeitet, wie man in deinem Blog „Weiter-mit-Plan-B“ nachlesen kann. Was hat dir geholfen?

Die Leiterin der Physiotherapie in der Reha-Klinik hat mich damals wieder auf die Beine gestellt. Schon zum Beginn der Therapie habe ich gemerkt, dass ich eine Chance habe, Fortschritte zu machen. Meine Frau sagte, ich sei am Telefon wie ausgewechselt gewesen. Ohne meine Frau hätte ich das alles nicht gepackt. Wir haben inzwischen gegenseitige Generalvollmachten beim Notar aufgesetzt – darüber haben wir uns vorher nie Gedanken gemacht. Das war auch so ein Learning aus dem Schlaganfall.

 

Die Reha dauerte 151 Tage und umfasste 863 Therapiestunden. Was hat dich motiviert?

Mein Rettungsanker trägt den schönen Namen Neuroplastizität. Ein Schlaganfall ist eine Erkrankung des Gehirns. Für die Genesung muss man etwas tun. Das Gute ist: Man kann etwas dafür tun! Unser Gehirn ist ein Wunder. In dem Augenblick, wo ein Teil im Hirn abstirbt, übernimmt ein benachbarter Bereich die Aufgaben. Das ist ein Lernprozess. Deswegen ist es so wichtig, dass man diese Sachen Tausende Male wiederholt. Ich musste mir Bewegungen wieder antrainieren wie ein Kleinkind. Dieser Rettungsanker hat mich motiviert. Es lohnt sich immer, weiterzumachen.

 

Es gab auch weniger schöne Erlebnisse, zum Beispiel mit deiner Krankenkasse.

Die Reha ist in Deutschland hervorragend. Das Drama setzt im Anschluss ein bei der Nachsorge. Man rennt von Arzt zu Arzt. Man muss sich selbst um alles kümmern. Man beantragt ein Hilfsmittel und die Krankenkasse lehnt das kategorisch erst mal ab. Dann schicken sie den Medizinischen Dienst, der Gutachten schreibt, bei denen man nur den Kopf schüttelt. Ein Schadensgutachten von TÜV NORD ist manchmal 14 Seiten lang für einen beschädigten Kotflügel. Zu meiner halbseitigen Lähmung fielen dem Medizinischen Dienst damals zwei Sätze ein. Menschen sollten nicht schlechter als Autos gestellt sein. Die Zusage für ein Fußhebersystem, der mir hilft, meinen rechten Fuß zu heben, musste ich mir mit einer Anwältin erkämpfen. 

 

Du engagierst dich als ehrenamtlicher Richter am Sozialgericht. Geht es dort um solche Fälle?

Manchmal, das liegt daran, an welcher Kammer ich eingesetzt werde. Ich hatte schon Fälle, wo es um Behindertenrecht ging und Menschen zu ihrem Recht gekommen sind. Ich nutze für dieses Ehrenamt die fünf Tage Schwerbehindertenurlaub, die ich im Jahr zusätzlich zum normalen Urlaub habe. Der TÜV Nord geht sehr vorbildlich mit den Rechten von Schwerbehinderten um.  Das ist aber längst nicht bei allen Arbeitgebern selbstverständlich.

 

Du hast im Jahr 2021 den Job gewechselt und bist zu TÜV NORD gekommen – wie kam es dazu?

Bei meinem alten Arbeitgeber war die Wiedereingliederung ziemlich schwierig. Nicht nur durch Corona sondern auch wegen fehlender Prozesse. Ich habe mich im nächsten Jahr bei TÜV NORD beworben und hier lief es von Anfang an völlig anders ab. Ich hatte in meinen Lebenslauf geschrieben, dass ich schwerbehindert bin. Schon bei den Bewerbungsgesprächen war der Schwerbehindertenbeauftragte dabei, hat sich für mich eingesetzt und die richtigen Fragen gestellt. 

 

Welche Fragen waren das?

Vorstellungsgespräche gab es damals pandemiebedingt nur per Video. Entscheidend war unter anderem die Frage, ob ich den Arbeitsplatz erreichen und dort arbeiten kann. Wir haben uns also vor Ort getroffen und dann war alles schnell perfekt. TÜV NORD ist ein cooler und hochprofessionell aufgestellter Arbeitgeber. Ich fühle mich hier immer noch sehr wohl und wertgeschätzt. Es gibt viele Menschen wie mich, die sehr gut ausgebildet sind, aber letztendlich durch ihre Schwerbehinderung gewisse Einschränkungen haben. Das ist eine Quelle, die Unternehmen abschöpfen sollten. TÜV NORD macht das nach meiner eigenen Erfahrung richtig gut. Es gibt doch viele Stellen, in denen die Mitarbeitenden ihre Arbeit am Rechner erledigen können. 

 

Du gehst sehr offensiv mit deiner Geschichte um, schreibst darüber im Blog, hast darüber im Podcast von #explore gesprochen und jetzt im internord-Interview. Warum eigentlich?

Meinen Blog habe ich angefangen, weil ich in der Reha das Schreiben für mich entdeckt habe und um anderen zu helfen, die in der gleichen Situation sind. Aber es gab einen weiteren Grund, in die Öffentlichkeit zu gehen: Ich bin ja mittags auch in der Kantine und die Kolleginnen und Kollegen sehen mich und meine Behinderung. Ich wollte meine Geschichte erzählen, damit möglichst viele Leute davon wissen und ich weniger fragende Blicke abbekomme. Klar bin ich dankbar, wenn mir jemand eine Tür aufhält. Aber ich möchte vor allem als ganz normaler Kollege wahrgenommen werden, der als Key Account Manager Mitarbeitenden bei ihren IT-Fragen hilft.

 

Internord 03/2025

Zusatzinfos

 

FAST – Einfache Methode zur Schlaganfall-Erkennung

Die FAST-Regel hilft, Anzeichen eines Schlaganfalls schnell zu erkennen und sofort zu handeln. FAST steht für:

 

  • Face (Gesicht): Hängt ein Mundwinkel schief? Kann die Person lächeln?
  • Arms (Arme): Kann die Person beide Arme heben? Sinkt ein Arm ab?
  • Speech (Sprache): Ist die Sprache verwaschen oder unverständlich? Kann die Person einen einfachen Satz korrekt wiederholen?
  • Time (Zeit): Zögern Sie nicht – wählen Sie sofort den Notruf!

Veröffentlicht von oschlenkert

männlich, 52 Jahre, verheiratet, 1 Kind, mitten im Leben ... und dann kam der Schlaganfall.

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