Taktik

Jeder der mich kennt, würde wohl unterschreiben, ich bin kein taktischer Mensch. Manchmal muss man sich aber mit der Auswirkung von Taktik beschäftigen. Ich habe gestern über Umwege einen Artikel von Hermann- Josef Tenhagen gefunden. Er wurde in Spiegel Online veröffentlicht. Als langjährigen Chefredakteur von „Finanztip“ und davor von „Finanztest“ finde ich jeden seiner Artikel zu aktuellen Themen messerscharf und nützlich. In diesem Fall geht um die Leistungsgewährung und Ablehnung von Krankenkassen. Ein Berliner Forschungsinstitut hat das 2017 untersucht. Seinen vollständigen Artikel findet ihr hier. Im beschriebenen Fall geht es um Reha Leistungen und nicht, wie in meinem Fall, um Hilfsmittel. Ich denke aber, das ist vermutlich vergleichbar oder ähnlich? Der Ablauf deckt sich auf alle Fälle mit den von mir gemachten Erfahrungen.

Danach wird im Schnitt jeder fünfte Antrag auf Vorsorge und Rehaleistungen abgelehnt, und zwar egal ob Mitglieder einer AOK, einer Ersatzkasse wie TK oder Barmer oder einer Betriebskrankenkasse den Antrag stellen. Dann aber wird es spannend. Wenn sich nämlich die Mitglieder mit einem Widerspruch gegen eine solche Absage wehren, besinnen sich die Krankenkassen häufig eines Besseren. Je nach Kassenart erhalten bis zu zwei Drittel aller Widersprechenden am Ende die begehrte Leistung doch.

Sind ja gute Aussichten z.B. bei meinem Fußhebersystem. Aber warum machen die Kassen das? Auch hierüber gibt der Artikel eine Auskunft.

Unglücklicherweise widersprechen aber nur die wenigsten der 235.000 hier Abgelehnten. Bei den AOK wehrt sich nur ein Fünftel, bei den BKK und IKK noch weniger.

Bei einem groben Überschlag bedeutet das: Von den 235.000 Abgelehnten hätten mit ein bisschen Nachprüfung vielleicht 120.000 die Leistungen am Ende doch bekommen sollen. Nur 56.000 aber haben rebelliert und mehr als die Hälfte von ihnen hat die Leistung tatsächlich bekommen.

Und das finde ich traurig. Dinge wie ein Schlaganfall sind ein Schicksalsschlag und da braucht man Hilfe und die beste Versorgung. Was man in dieser Zeit nicht brauchen kann, sind taktische Spielchen mit der Krankenkasse. Man muss sich nur kurz einmal in die Lage eines Betroffenen hineinversetzen. Der Artikel geht noch weiter. Die Aussagen zum Thema Widerspruch und was ich bei meinem Widerspruch gerade erlebe, lest ihr in den nächsten Tagen.

Was ich am Ärgerlichsten finde. Auch ein Wechsel der Kasse würde laut Artikel wenig ändern. Außer, man verändert auch gleichzeitig seinen Beruf und wird Landwirt. Es bleibt bei mir die Erkenntnis, die teuren Werbebotschaften der Kassen dienen lediglich der Beruhigung von Gesunden.

Foto von Gladson Xavier von Pexels

Veröffentlicht von oschlenkert

männlich, 52 Jahre, verheiratet, 1 Kind, mitten im Leben ... und dann kam der Schlaganfall.

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